Montag, 30. Juli 2012

[Rezension] Feige, Marcel - Kalte Haut

Berlin wird von einer grausamen Mordserie heimgesucht. Ein Unbekannter entführt Menschen, foltert diese und tötet sie anschließend. Außerdem filmt er seine schrecklichen Taten und stellt diese Videos dann ins Internet. Die Kommissarin Sera Muth versucht den Fall zu lösen und erhält dabei Unterstützung vom Polizeipsychologen Dr. Babicz, der gerade erst aus den USA zurückgekehrt ist. Die Taten des Mörders weisen erstaunliche Ähnlichkeit mit dem Vorgehen eines Killers in Amerika auf, der seine Opfer ebenfalls häutete. Hat es den als "Knochenmann" bekannten Täter tatsächlich nach Deutschland verschlagen, handelt es sich um einen Nachahmungstäter oder schlicht um einen Zufall?

Auf der Suche nach einem spannenden Thriller bin ich über den vierten Roman von Marcel Feige gestolpert und die Kurzbeschreibung hat mich nicht mehr losgelassen. Der Autor versteht es brillant zahlreiche Handlungsstränge aufzubauen, die sich u.a. um die Ermittlerin und deren türkische Familie, um den Psychologen und seit Privatleben, um eine Journalistin, aber natürlich auch um die Tat selbst drehen. Durch zahlreiche und schnelle Kapitelwechsel erhält der Leser einen Gesamteindruck und wird abwechslungsreich unterhalten.

Zwei Aspekte haben mich beim Lesen jedoch nicht ganz überzeugen können. Der Einblick in das türkische Familienleben der Kommissarin war zwar für mich sehr unerwartet, ist jedoch interessant, nur hat es mich schon etwas gestört, dass in einigen Kapiteln türkisch gesprochen wird. Wenn man selbst dieser Sprache nicht mächtig ist, dann sind das einfach unnütze Sätze, denen man nichts entnehmen kann. Zwar wird alles übersetzt, aber dieses erschien mir zu konstruiert, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass in einer tatsächlichen Unterhaltung ein türkischer Satz fällt und anschließend die gleiche Person auch die deutsche Übersetzung liefert und somit alles doppelt erzählt. Zum Glück gab es nicht so viele Passagen davon, so dass dieses meinen Lesefluss nicht zu sehr ins Stocken gebracht hat. Türkisch sprechende Leser hingegen, werden diesen Aspekt mit Sicherheit zu schätzen wissen.

">>Und tot bist du<<, sagte er, während er zufrieden den Klumpen aus Blut und Eingeweiden betrachtete." (Seite 7)

Ein weiteres "Problem" war der schnelle Kapitelwechsel. Auf der einen Seite fand ich es zwar gut, hat es doch eine Schnelligkeit in die Geschichte gebracht, aber oft hat der Autor damit die Atmosphäre oder die Spannung zerstört, die er in dem jeweiligen Kapitel gerader erst aufgebaut hatte. Das fand ich etwas schade, denn genau diese Spannung fehlte mir leider des Öfteren. Erst gegen Ende kam dieses Gefühl auf, als sich die Ereignisse überschlagen, aber im restlichen Roman fehlte mir dieser Nervenkitzel. 

"Kalte Haut" überzeugt meiner Meinung nach nicht durch Thrill, sondern durch intelligente Handlungsstränge, die Ausarbeitung der Charaktere und die Verknüpfung dieser Figuren mit den Ideen des Autors. Für die Personen hat er genügend Spielraum gelassen, um diese authentisch erscheinen zu lassen, ohne mit Nebensächlichkeiten zu langweilen, und es liest sich toll, wie scheinbar unabhängige Perspektiven auf einmal zusammenwachsen und ein klareres Bild ergeben. Knappe 80 Seiten vor Romanende war ich mir zwar schon ziemlich sicher, was der Autor als Auflösung parat haben würde (und damit lag ich auch richtig), trotzdem konnte mich der Roman inhaltlich schon ziemlich angesprochen und war interessant gestaltet.



Fazit:  Intelligenter Thriller, deren Stärke nicht in der Spannung, sondern eher in der inhaltlichen Ausgestaltung des Romans liegt, welche Marcel Feige absolut beherrscht.

  • Taschenbuch: 448 Seiten
  • Verlag: Goldmann Verlag (20. Februar 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442476631
  • ISBN-13: 978-3442476633
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