Sonntag, 11. Mai 2014

[Rezension] Ani, Friedrich - Die unterirdische Sonne


Zu fünft sitzen sie in einem Keller. Fünf Kinder und Jugendliche, alle entführt und weggesperrt. Täglich wird einer von ihnen nach oben geholt und kommt Stunden später völlig verstört zurück. Keiner weiß, was den anderen angetan wird, denn wer darüber spricht, der stirbt, und so schweigen sie über diese Taten und erzählen sich stattdessen Märchen und andere Geschichten. Eines Tages wird ein neuer Junge zu ihnen gebracht und er hat sich noch nicht in der aussichtslosen Lage verloren und besitzt noch seinen Kampfgeist.


Als erstes überraschte mich, dass auf dem Schutzumschlag ein empfohlenes Lesealter von 16 angebracht wurde. Jugendbücher haben stets eine Altersempfehlung, aber dass diese auf dem Buch selbst angebracht ist, ist mir bisher noch nie bewusst aufgefallen. Nachdem ich den Roman nun gelesen habe, weiß ich, warum diese "Warnung" dort steht, denn das Buch ist heftigst. So heftig, dass ich es eigentlich nicht einmal 16- oder 17-Jährigen empfehlen möchte.

Friedrich Ani schafft es problemlos eine erschreckende und bedrückende Atmosphäre zu erzeugen. Als Leser erfährt man nicht, was mit den Kindern und Jugendlichen geschieht. Man merkt ihnen lediglich an, wie verstört sie stets sind, wenn sie in den Keller zurück gebracht werden und genau damit spielt Ani. Mit dem eigenen Kopfkino, mit der Ungewissheit und zahlreichen Andeutungen, die einem den Magen umdrehen. Die erschaffte Atmosphäre empfand ich viel heftiger, als sie einem in den meisten Thrillern für Erwachsene begegnet. Da es sich bei den Opfern, die in irgendeiner Form misshandelt werden, um Minderjährige handelt und der Roman für Jugendliche geschrieben wurde, empfand ich den Roman als zu heftig, um mit der empfohlenen Altersgruppe konform gehen zu können.

Die Atmosphäre ist gerade anfangs spannungsgeladen. Der Autor beschreibt die Angst der Minderjährigen, ihren Schmerz und ihre Hoffnungslosigkeit authentisch. Dass die Kinder und Jugendlichen sich irgendwann schon nach dem Selbstmord sehen, erscheint eine glaubhafte Folge der Gefangenschaft und der Misshandlungen zu sein. Obwohl die Authentizität in diesem Bereich gegeben ist, habe ich keinen Bezug zu den Protagonisten aufbauen können. Zunächst kämpfte ich etwas damit die Figuren auseinander zu halten. Nach und nach baut der Autor dann jedoch individuelle Betrachtungen der Charaktere ein, aber auch danach empfand ich sie nicht wirklich greifbar.





Fazit: Ein Jugendroman, der die grausamen Taten nicht beim Namen nennt, aber gerade dadurch beklemmender kaum sein könnte. Eine Geschichte, die im Kopfkino entsetzliche Bilder auslöst und somit meiner Meinung nach nicht für Jugendliche geeignet ist. Ein Buch, dessen Charaktere mich leider nicht überzeugen konnten.

  • Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
  • Verlag: cbt (24. Februar 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3570162613
  • ISBN-13: 978-3570162613
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 16 Jahren
  • Verlag:



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