Dienstag, 16. September 2014

[Die Story hinter dem Buch] Bettina Storks - Das Haus am Himmelsrand



heute:



Bettina Storks - Das Haus am Himmelsrand

 



Blick von oben auf das von mir heiß geliebte Freiburg im Breisgau
– eine der schönsten Städte Deutschlands….
Dies ist eine wahre Geschichte aus dem Jahr 2000, die sich zugetragen hat im idyllischen Freiburg im Breisgau. Ein alter Mann gesteht seinem Sohn Peter auf dem Sterbebett, sein Arbeitszimmer stamme aus einer jüdischen Versteigerung aus dem Jahr 1940. Peter, von Beruf Historiker, macht sich nach dem Tod des Vaters auf, die rechtmäßigen Besitzer bzw. deren Erben zu ermitteln. Unauffindbar – ein Wort, das in diesem Zusammenhang grausamer ist, als die nackte Tatsache. Nicht einmal die israelitische Gemeinde Freiburg wusste Rat. Peter überwies schließlich einen Geldbetrag für das Mobiliar an die israelitische Gemeinde. Und diese Geste hat mir richtig Respekt abverlangt. 


Das bin ich.
Schriftsteller sind indiskret. Sie gehören zu denjenigen, die im Lokal ihrem Gegenüber aufmerksam zuhören und gleichzeitig das Gespräch am anderen Tisch verfolgen. Die Idee hat mich jahrelang nicht ganz losgelassen und eines Tages war der Umschlagtext für „Das Haus am Himmelsrand“ geboren: Eine junge Frau erhält von ihrem sterbenden Großvater den geheimen Auftrag, den Inhalt eines Sekretärs am Rosshimmel, dem Landgut des Patriarchen in den Vogesen, an sich zu nehmen: „Sorge für Gerechtigkeit!“ Dann schließt er für immer die Augen und Lizzy macht sich auf, die Wahrheit herauszufinden, denn der Großvater hat gewusst, dass seine Enkelin die einzige in der Familie ist, die erst richtig loslegt, wenn ihr ein kalter Wind entgegen weht. Je stärker der Widerstand, desto mehr verbeißt sich Lizzy. Ihre Recherche führt sie in ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte und ihrer damit verwobenen Familiengeschichte. Auf ihrer Reise in die Vergangenheit wird Lizzy nicht nur eine schreckliche Schuld aufdecken, sondern auch Menschen begegnen, die ihr Leben verändern.

Ich habe insgesamt zwei Jahre an dem Manuskript recherchiert und geschrieben. Sehr hilfreich war die Dissertation von Andrea Brucher-Lebach. „Wie Hunde auf ein Stück Brot – die Arisierung und der Versuch der Wiedergutmachung in Freiburg“. Meine Prämisse bei der Umsetzung lautete: Fiktion und Phantasie, was die Familiengeschichte, Geheimnisse, betrifft, aber absolute Präzision und Authentizität, was die historischen Fakten angeht. Meine Freiburger Freundin Sabine, Geschichtslehrerin, und mein Ehemann Michael, ebenfalls Historiker, waren mir in dieser Hinsicht als Ratgeber von unschätzbarem Wert.

Der Schauinsland – Freiburgs „Hausberg“, der im Roman gleichfalls eine Rolle spielt.

Beim Schreiben gehe ich inzwischen sehr strukturiert vor: Nach einem Arbeitsexposé (das sich ständig verändert, erweitert…) war ich gezwungen beim „Haus am Himmelsrand“ aufgrund des komplexen Stoffes eine Zeittafel zu erstellen mit real historischen Begebenheiten und fiktiven. Außerdem habe ich eine Kapitelübersicht erstellt, die mir am Ende bei der Architektur des Stoffes sehr geholfen hat.

Meine Figuren entwerfe ich nach einem Konzept, das außer Äußerlichkeiten, Herkunft und Sozialisation auch das Innenleben hinterfragt: Was wehrt die Protagonistin ab? Oder: Was ist ihr inneres Ziel? In wie fern widerspricht das innere Ziel dem äußeren? Ich suche für alle Hauptfiguren einen aussagekräftigen Satz, den sie über sich sagen und einen, den andere über sie (beispielsweise bei einer Grabrede) sagen würden.

Der historische Rosshimmel, gelegen zwischen Bodman-Ludwigshafen und Sipplingen – den fiktiven Rosshimmel musste ich in die Vogesen legen – die Leser werden bald verstehen, weshalb….



Ein guter Plot lebt davon, dass man Dinge erwägt, verwirft oder wieder neu in Betracht zieht. Es ist eine Art Ausschlussverfahren, nach dem ich konsequent meine Geschichten entwickle.


Da ich in meinem Brotberuf selbstständig bin und mir die Arbeit einteilen kann, schreibe ich meist morgens bis zur Mittagszeit. In der heißen Phase, wenn sich ein Manuskript dem Ende entgegen neigt, wann immer es geht. Erholung finde ich bei Waldspaziergängen mit meiner Hündin und auch schon mancher Einfall wurde dabei geboren. 

Mein Arbeitsplatz in Bodman-Ludwigshafen – Blick auf den Bodensee. Ich kann gar nicht aufhören, das zu genießen!

Immer wenn ich ein neues Kapitel angehe, drücke ich mich immer, bis ich mich dann zwinge, loszulegen. Ich habe festgestellt, dass Schreibblockaden meisten zwei Ursachen haben und jedes Mal, wenn sich eine anbahnt, frage ich mich zwei Dinge: „Was treibt meinen Helden an? Ist der Antrieb wirklich überzeugend oder halbherzig?“ Die zweite Frage: „Hat das vorliegende Kapitel eine Wendung? Weiß ich als Schreiberin schon ganz genau, wo mein Held am Ende des Kapitels steht?“ – Wenn ich es NICHT weiß, brauche ich mich erst gar nicht an den Schreibtisch zu setzen. Ja, und wenn ich es denn weiß, gibt es eine Rohfassung, an der gefeilt wird, bis ich zufrieden bin. Und dann geht es weiter: Schritt für Schritt. Wort für Wort. Seite um Seite.

geschrieben von Bettina Storks


  • Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
  • Verlag: Bloomsbury Berlin (15. September 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3827012392
  • ISBN-13: 978-3827012395


1 Kommentar:

  1. Oh, wie schön, eine Autorin aus meiner Umgebung! Ich wohne in Radolfzell, aber dass der schöne Aussichtspunkt "Rosshimmel" heißt, wusste ich nicht!

    Starbucks

    AntwortenLöschen