Dienstag, 14. Oktober 2014

[Die Story hinter dem Buch] Voosen, Jana - Und Eva sprach ...



heute:



Voosen, Jana - Und Eva sprach ...

 



Am Anfang war das Happy End

Mein zehnter Roman. Ein weißes Blatt Papier. Im übertragenen Sinne, eigentlich war es natürlich ein leeres Word-Dokument mit blinkendem Cursor. Und ich wollte dort anfangen, wo die meisten romantischen Komödien aufhören: Die Loser sind aussortiert, Hindernisse überwunden und endlich der Richtige gefunden. Rückansicht einer Parkbank, die Verliebten sehen zusammen in den Sonnenuntergang. Tadaa! Happy End! Und wie geht’s dann weiter? Erfahrungsgemäß fangen die Probleme ja nun erst an, selbst wenn man mit dem neuen Mann einen Glücksgriff getan hat. Schließlich sind wir alle nur Menschen.

Parallel schrieb ich in dieser Zeit für die Anne-Hertz-Anthologie „Junger Mann zum Mitreisen gesucht“ die Kurzgeschichte „Nach mir die Sintflut“ über Elias, einen jungen Mann, der auf der Arche Noah arbeitet und sich in die Schwiegertochter des Patriarchen verliebt. Bei meinen Recherchen, sprich, Bibelstudien hierfür, begann ich, mich mehr für dieses alte Schriftstück, das ich seit dem Religionsunterricht nicht mehr angerührt hatte, zu interessieren und las es von vorne bis hinten. Es war viel spannender, als ich vermutet hätte – aber auch ganz schön erschreckend. Und teilweise grausamer als Grimms Märchen, die sich ja nun auch nicht gerade durch Zimperlichkeit auszeichnen, wenn es darum geht, zum Beispiel eine böse Stiefmutter ins Jenseits zu befördern.
Laut der Bibel ging Gott nicht gerade sanft mit seinen Schöpfungen um. Zum Beispiel tötete er Onan (na, klingelt bei diesem Namen vielleicht was?). Und weshalb? Weil der sich weigerte, die Witwe seines Bruders zu schwängern, sondern stattdessen lieber – onanierte (genau, spätestens jetzt klingelts!).

„Da gefiel dem HERRN übel, was er tat, und er tötete ihn...“
1. Mose 38, Vers 10

Das passte irgendwie so gar nicht zu meinem Bild vom „lieben Gott“. Und eigentlich fängt dass Elend schon bei der Schöpfungsgeschichte an. Aber wer hat die Bibel eigentlich geschrieben? Doch nicht Gott! Sondern irgendwelche Leute, die behaupten, von Gott beseelt gewesen zu sein.

„Denn niemals wurde eine Weissagung ausgesprochen, weil ein Mensch es so wollte, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben Menschen im Auftrag Gottes geredet.“
2. Petrus 1, Vers 21

Schön, manchmal, wenn es gut läuft beim Schreiben, fühle ich mich auch so – von Gott beseelt, von der Muse geküsst, von einer schöpferischen Macht durchdrungen... Aber kann man sich da so sicher sein? Und was ist das eigentlich für eine clevere Methode, Frauen langfristig zu unterwerfen, indem man mal so eben die gesamte Schuld am Leid der Menschheit auf ihnen ablädt? Denn schließlich war es Eva, die den Apfel gegessen hat! Und dann hat dieses hinterhältige Weib auch noch dem ahnungslosen Adam davon gegeben.
Und deshalb sind wir rausgeflogen aus dem Paradies, deshalb müssen wir arbeiten im Schweiße unseres Angesichts, deshalb tut es weh, Kinder zu kriegen und deshalb müssen wir sterben. Wir halten fest: Eva ist an allem Schuld – die blöde Kuh! Und das hat also der Heilige Geist irgendeinem Schreiberling eingeflüstert und es ist reiner Zufall, dass diese Geschichte dem Patriarchat eine wunderbare Unterwerfungsstrategie liefert? Im Ernst?

So, jetzt habe ich mich ein bisschen in Rage geschrieben. Klar, ich hätte auch eine feministische Abhandlung zum Thema Christentum schreiben können, aber ich sage meine Meinung lieber durch die Blume – oder besser gesagt: durch die romantische Komödie. So kam ich jedenfalls auf die Idee zu dem neuen Roman „Und Eva sprach...“

Die Protagonistin Evi hat den Richtigen und damit ihr Happy End gefunden. Dummerweise geht das Leben weiter. Trotz ihrer tollen Beziehung stolpern ihr manchmal andere schmucke Männer über den Weg – und sie hat schon Schuldgefühle, wenn ihr Herz dann auch nur schneller zu schlagen beginnt. Eines Tages knutscht sie fremd und sucht gramgebeugt einen Hypnosetherapeuten auf, um sich von ihrer „Männersucht“ heilen zu lassen.
In den Hypnosesitzungen landet Evi im Paradies. Und dort erfährt sie, wie es wirklich war ...

Ich habe die Sache mit dem Apfel ein wenig umgeschrieben. Korrigiert. Im Sinne der Menschheit, der Frauen und meiner Meinung nach auch im Sinne Gottes. Wie ich darauf komme? Folgendes steht ebenfalls in der Bibel:

„Keine Weissagung der Schrift darf eigenmächtig ausgelegt werden.“

Und doch hat Gott keinen Blitz vom Himmel auf mich niedergesandt. ER scheint es im Gegenteil gerade ziemlich gut mit mir zu meinen. Von daher gehe ich davon aus, dass die Sache für IHN in Ordnung geht.

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen!
Eure Jana

Hier geht´s zum Buchtrailer:





  • Taschenbuch: 320 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag (13. Oktober 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453417895
  • ISBN-13: 978-3453417892





Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen