Samstag, 30. April 2016

[Gastrezension] Belitz, Bettina - Mit uns der Wind

Gastrezension von Nefertari35


Mona ist ein junges 18jähriges Mädchen. Sie liebt Shopping, surft gerne im Netz und schaut sich gerne Blogs an. Doch Mona ist anders - sie hat ein Handicap. Ein Handicap das sie einsperrt, das sie nie ohne Aufsicht sein lässt und doch wünscht sie sich nichts sehnlicher als endlich Han Ryu, einen Blogger, kennenzulernen. Sie überredet ihre Eltern und ihren Bruder auf ein Festival mitzudürfen und dort lernt sie die Freiheit kennen. Doch die hat ihren Preis. Wird Mona ihr Glück finden?



Schreibstil, Protagonisten, Sonstiges:
Sehr schön geschriebener Jugendroman, der sich mal nicht mit normalen Teenagerproblemen beschäftigt, sondern mit der Frage: "Was ist, wenn du eingeschränkt und besonderns bist?". Bettina Belitz beschreibt dies sehr gefühlvoll und doch voller Lebendigkeit. Ihre Hauptprotagonistin wächst an sich selbst. Sie schafft es, dem goldenen Käfig den Rücken zu kehren und auszubrechen. 

Die Story ist wirklich kraftvoll und macht Mut. Sie erzählt dem Leser, das man nicht aufgeben darf und das Leben leben muß. Die Autorin bringt diese Botschaft sehr gut rüber. Auch läßt sich das Buch recht flüssig lesen, nur an manchen Stellen wünscht man sich etwas mehr Tempo.

Auch das Cover ist sehr schön. Die warmen Farben sind gut gewählt.

Eigene Meinung:
Großartig geschrieben. Mehr kann ich fast nicht sagen. Es gibt nicht viele Romane, in denen der Protagonist eine Besonderheit hat und über diese auch so ausführlich geschrieben wird. Mir hat das sehr gut gefallen und finde dieses Buch sollte jeder Jugendliche lesen. Es ist eben nicht immer alles so, wie es scheint und vieles erkennt man nicht auf den ersten Blick. 

Fazit: Bettina Belitz hat hier ein sehr schönes Werk erschaffen, das sehr gute vier Sterne verdient.


  • Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
  • Verlag: script5 (9. März 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3839001609
  • ISBN-13: 978-3839001608
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
  • Verlag:


[In my Mailbox] KW # 17/2016


Hier meine Neuzugänge aus dieser Woche!

für die Klappentexte klickt bitte auf die Cover, dann gelangt ihr zu Amazon

Shepherd, Catherine - Oliver Bergmann (01) Der Puzzlemörder von Zons
Shepherd, Catherine - Oliver Bergmann (02) Der Sichelmörder von Zons
Shepherd, Catherine - Oliver Bergmann (03) Kalter Zwilling
Shepherd, Catherine - Oliver Bergmann (04) Auf den Flügeln der Angst
Shepherd, Catherine - Oliver Bergmann (05) Tiefschwarze Melodie
Shepherd, Catherine - Oliver Bergmann (06) Seelenblind





Freitag, 29. April 2016

[Rezension] Engelmann, Gabriella - Wildrosensommer

Was bringt eine alleinerziehende Mutter zweier Mädchen dazu, das Zuhause, alle Freunde und das gewohnte Umfeld in München zu verlassen und in die Vier- und Marschlande nahe Hamburgs zu ziehen? In Aurelias Fall ist es eindeutig das Schicksal, das sie führt. Ihr Mann ist seit zwei Jahren spurlos verschwunden. Doch dann findet sie in einem Bildband eine Notiz von ihm und zwar auf der Seite eines Hausbootes. Ausgerechnet dieses Objekt steht zum Verkauf, was Aurelia wie ein Wink mit dem Zaunpfahl vorkommt. So zieht sie kurz entschlossen mit ihren Kindern und dem Familientiger vor die Tore Hamburgs.

Nachdem uns Gabriella Engelmann in den letzten Jahren sehr oft mit tollen Inselromanen verwöhnt hat, geht dieses Buch in eine andere Richtung. Ihrem Stil ist die Autorin jedoch treu geblieben. Es geht erneut um einen Neuanfang, eine starke Protagonistin, die sich dem Leben stellt und es ist mal wieder ein absoluter Wohlfühlroman.

Ich bin ja eigentlich kein Leser "dieser Unterhaltungsrichtung", aber bei Gabriella Engelmann mache ich regelmäßig eine Ausnahme, denn bisher wurde ich noch nie enttäuscht. Vor allem kann ich mir sicher sein, dass ich die Figuren liebe werde. Ich weiß nicht, wie die Autorin es schafft, aber bisher habe ich jedes Mal Zugang zu ihren Protagonisten gefunden und meistens selbst zu den Nebenfiguren. Aurelia, ihre beste Freundin und ihre Kinder waren mir alle sympathisch und wurden interessant ausgearbeitet.

Es war spannend zu erfahren, wie sich die Figuren in Norddeutschland einleben und besonders gereizt hat mich natürlich das Thema des verschwundenen Ehemannes. Statt Inselfeeling dreht sich dieses Mal der Roman eher um etwas, dass ich als Esoterik bezeichnen würde. Öle und ihre Wirkung in der Aromatherapie, Geister und Auren sehen usw. Als weiteres Themengebiet greift Engelmann die Natur auf, vor allem durch die anschaulichen Landschaftsbeschreibungen und die Erwähnung zahlreicher Blumen, die ebenfalls eine große Rolle spielen.

Für meinen Geschmack hätte es etwas weniger von der Esoterik sein können und auch mit den ganzen Blumen kannte ich mich nicht aus, da hat mich das Inselfeeling dann doch eher abgeholt, trotzdem habe ich den Roman absolut genossen, denn die zwischenmenschlichen Beziehungen waren fesselnd und die Esoterik ist kein dominierendes Thema. Engelmann hat sich gegen Ende auch nicht billig aus der Affäre gezogen sondern einen Aspekt geklärt, auf dessen Auflösung ich durchgängig gespannt war.

Fazit: Auch in "Wildrosensommer" sind die Charaktere authentisch und liebenswert, der Schreibstil flüssig und Engelmanns Beschreibungen sehr bildhaft. Es ist absolut ein Roman zum in der Couch versinken und wohlfühlen, obwohl durchaus ernstere Themen aufgegriffen werden. Das Ende ist sehr zufriedenstellend und nachdem man die letzte Seite gelesen hat, stellt sich einfach ein schönes Gefühl im Herzen ein. Typisch Engelmann eben!


PS: Das Einzige, was bei Engelmanns Büchern vielleicht noch als letztes i-Tüpfel zur absoluten Wohlfühlperfektion fehlen könnte, ist etwas Weihnachtscharme - zumindest für solche XMAS-Freaks wie mich *g* Aber auch dafür hat die Autorin bald etwas parat, denn "Wintersonnenglanz" erscheint im Oktober und ist ein Sylt-Weihnachtsroman kombiniert mit einem Wiedersehen der Figuren Larissa, Bea und Nele aus ihren Bestsellerromanen "Inselsommer" und "Inselzauber". *Vorfreude pur*


  • Broschiert: 400 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (2. Mai 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426518457
  • ISBN-13: 978-3426518458



Donnerstag, 28. April 2016

[Das Autoren 1x1] Jana Seidel

 proudly presents:



Jana Seidel


© Suse Walczak


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Autorenwelt
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1. Seit wann schreibst du?
Ich habe mich schon immer gerne in andere Welten hinein fantasiert. Angefangen, sie auf dem Papier festzuhalten, habe ich mit 13.
Aber das waren noch Werke, die in der Schublade wirklich am besten aufgehoben sind. „Richtig, echte“ Bücher schreibe ich seit etwa sechs Jahren

2. Warum ist „Autor“ für dich der beste Beruf der Welt?
Als Kind wollte ich Autorin, Schauspielerin, Buchhändlerin, Journalistin, Psychologin, Ägyptologin oder Umweltschützerin werden – und leider bin ich etwas entscheidungsschwach ;-) Auf dem Papier brauche ich mich nicht für einen Weg zu entscheiden und damit alle anderen ausschließen. Ich kann dort alles ausleben und ich lerne ständig etwas Neues dazu. Wenn ich zum Beispiel Figuren erfinde, die ganz anders leben als ich oder einen Beruf ausüben, der mir fremd ist, macht es mir Spaß, als akribischer Spürhund aktiv zu werden und alle Informationen zu recherchieren, die ich brauche.

3. Beschreibe dein Buch / eins deiner Bücher in weniger als zehn Worten und verrate, auf welchen Titel sich die Beschreibung bezieht.
Um die Zukunft zu gestalten, muss man seine Vergangenheit kennen.
„Mich gibt es übrigens auch für immer.“

4. Wo schreibst du am Liebsten bzw. hast du besondere „Rituale“ beim Schreiben?
Ach wie gerne würde ich jetzt sagen: in einem schicken Kaffeehaus. Oder: in einem uralten Bully am Strand. In Wahrheit kann ich mich aber nur an meinem eigenen, sehr spartanisch eingerichteten Schreibtisch so richtig gut konzentrieren.

5. Hast du einen Tipp für zukünftige Autoren?
In Floskeln gesagt: Ich glaube an das Schreiben als Handwerk und das Übung den Meister macht. Gut, ist es, klein anzufangen. Vielleicht trägt man erstmal nur jeden Abend Beobachtungen ein, die man am Tag gemacht hat. Das schult auch gleichzeitig den Blick für interessante Details. Dann könnte man sich vornehmen, jeden Tag nur eine Seite zu schreiben. Nicht mehr, damit man nicht an den eigenen Ansprüchen scheitert. Wenn es so gut läuft, dass es drei oder mehr werden – umso besser. Außerdem sollte man das Schreiben wirklich lieben und nicht nach Anerkennung oder Ruhm schielen, sonst wird man nicht lange durchhalten. Absagen und Rückschläge gehören nämlich zum Geschäft.




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Private Welt
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6. Was ist deine Lieblingsfarbe?
Moosgrün.

7. Was war als Kind dein Traumberuf?
Ich wollte Ägyptologin und Schauspielerin werden.

8. Was ist dein Lieblingsessen?
Spaghetti mit Garnelen und ganz viel Knoblauch und Chili, danach ein Stück Schokoladenkuchen.

9. Welches Genre liest du selbst am Liebsten?
Sachbücher, aber auch gerne mal Krimis, Fantasy, „Frauenbücher“ zur Entspannung.

10. Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?
Ich möchte gerne ein Drehbuch schreiben für einen Film, in dem Komödie und Tragödie ganz dicht beieinander liegen und der seine Zuschauer zum Lachen und Weinen zugleich bringt. Mein großes Vorbild sind dabei britische Filme wie „Best Exotic Marigold Hotel“, „Ganz oder gar nicht“ oder „Grasgeflüster“.


Diese Bücher von Jana Seidel könnten z.B. in eurem Bücherregal stehen:



Vielen Dank Jana, dass du beim "Autoren 1x1" teilgenommen hast :)

Mittwoch, 27. April 2016

[Rezension] Karlsson, Jonas - Das Zimmer

Björn ist "etwas Besonderes", wie es heutzutage heißt. Er wurde vor kurzem strafversetzt, und arbeitet nun in einem Großraumbüro und trägt keine Verantwortung mehr. In diesem Büro entdeckt Björn ein Zimmer, das scheinbar niemand sonst beachtet. In genau diesem Raum ist er produktiver und kreativer als je zuvor und sticht somit nach und nach seine Kollegen aus, bekommt plötzlich eigene Aufträge und beeindruckt sogar den Direktor höchstpersönlich. Die Situation zwischen ihm und seinen Kollegen droht jedoch zu eskalieren, als diese behaupten, dass es das Zimmer gar nicht gäben würde.


Es ist schon ein paar Tage her, dass ich dieses Hörbuch beendet habe und ich finde immer noch keine richtigen Worte dafür. Um ehrlich zu sein schwanke ich noch, ob es ein genialer Schachzug oder ziemlich großer Unsinn ist. Der Ich-Erzähler Björn ist einfach anders als andere. Um dieses festzustellen, bedarf es nicht lange. Er ist komplett durchstrukturiert, lässt sich nicht dazwischen reden und wird mit Fortschreiten der Geschichte immer pedantischer.

Hätte ich den Roman gelesen, hätte ich das Buch sicherlich nach 50 oder 100 Seiten zur Seite gelegt. Da ich das Hörbuch jedoch auf einer längeren Autofahrt mitgenommen hatte und kein anderes Hörbuch zur als Alternative vorhanden war, habe ich es zu Ende gehört und das war auch ganz gut, denn auf der dritten und letzten CD wird Björns Handeln immerhin etwas klarer und macht (unter Berücksichtigung seiner verqueren Welt) sogar etwas Sinn. Trotzdem dreht es sich die ganze Zeit darum, ob dieses Zimmer tatsächlich vorhanden ist, ob es nur in Björns Welt existiert oder ob seine Kollegen sich einfach gegen ihn verschworen haben und ihn in den Wahnsinn treiben wollen. 


Fazit: Die Handlung ist schon recht merkwürdig. Erst nach über zwei Dritteln habe ich verstanden, worauf der Autor hin will - zumindest glaube ich das. Diese Art von Geschichte muss man mögen und ich habe mich anfangs sehr schwer damit getan. Aber irgendwie hat die Story auch etwas. Da ich so hin und her gerissen bin, vergebe ich 3 Sterne.


  • Audio: 3 CDs - ca. 220 Minuten
  • Verlag: Rubikon Audioverlag (11. April 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3945986265
  • ISBN-13: 978-3945986264


Dienstag, 26. April 2016

[Die Story hinter dem Buch] Florian Herb - Maria, und das Ding mit dem Reinheitsgebot


heute:



Florian Herb - Maria, und das Ding mit dem Reinheitsgebot
 



Zum Buch: Ganz Ried im Allgäu fiebert frisch herausgeputzt und gut vorbereitet dem großen Festtag entgegen. Denn die Jubiläen, die es im April zu zelebrieren gilt, reihen sie wie die Perlen an einem Rosenkranz. Das Marktrecht jährt sich zum siebenhundertsten Mal, der Schützenverein und die Freiwillige Feuerwehr feiern ihr hundertfünfzigjähriges, der Trachtenverein sein hundertjähriges und die Landfrauen ihr siebzigjähriges Bestehen. Kein Wunder, dass sich bei so viel vorgelebtem Brauchtum, auch noch die bayrische Staatsregierung spontan mit dem internationalen Festakt anlässlich des Fünfhundertjährigen Bestehen des Reinheitsgebots, anschließt.

Kurzum, es könnte alles so schön sein. Wäre da nicht der ebenso trunksüchtige wie wankelmütige Dorfbraumeister Aloisius der Vierte mit seinem sagenumwobenen, süffigen und beliebten Bier, der „erHELLung“. Wer, und aus welchen Gründen auch immer, ihm im Rahmen der Vorbereitungen das Gesundheits- und Finanzamt auf den Hals gehetzt hat, sei dahin gestellt. Es tut in jedem Fall seine Wirkung. Aloisius wirft alles hin, verschanzt sich in seinem Anwesen und braut nicht mehr! Bei dem Gedanken daran, bei diesem dörflichen Jahrhundertereignis das Bier am Ende noch aus dem Nachbardorf Vucking importieren zu müssen, wird es nicht nur der Bürgermeistersgattin, Margarethe Mayer, ganz bang ums Herz. Es gilt zu Handeln.

Weder von Aloisius´ Frau, die mit dem Eisdielenbedarfsvertreter Frederico gen Italien durchgebrannt ist, noch von seinem Sohn Eusebius, den er an der Kunst und an München verloren hat, ist Hilfe zu erwarten. Jedoch von seiner Tochter Maria, die sich vor zwanzig Jahren von einem schmucken Hanseaten nach Hamburg entführen ließ, um aus der Enge des Dorfes zu gelangen. Also beschließen die Landfrauen kurzerhand in die Hansestadt zu reisen, um Maria zu überreden mit heimzukehren um ihren Vater zur Raison zu bringen. Doch schnell stellt sich heraus, dass dies Marias kleinste Problem sein soll…

Mein vierter Roman stößt auf eine wunderbare verwundbare Stelle der Bayern-Ehre und unterhält mit augenzwinkernder Beobachtung des Allgäuer Alltags. Und das obwohl - oder gerade deshalb - ich zu gerne Berliner Exilant im Voralpenland bin.


Wie es zu dem Buch kam: Meine Liebe zum Bayerischen kommt nicht von ungefähr, denn mein Vater ist einer. Ein waschechter Niederbayer, der in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Berlin strandete, wegen meiner Mutter dort blieb und seit meiner Geburt nicht müde wurde mir in seinem preußischen Exil vom eigentlichen Paradies auf Erden vorzuschwärmen. Und zwar in Form zweier Bücher. Zum einen die renitenten fast schon als anarchisch zu bezeichnenden `Lausbubengeschichten´ von Ludwig Thoma und aus der gleichen Feder stammende Kurzgeschichte `Der Münchner im Himmel´. In der der Dienstmann Nummer 172 - Alois Hingerl – nach seinem Ableben derartig im Jenseits mit seinem bayerischen Charakter aneckte, dass er vom lieben Gott höchstpersönlich als Bote zur bayerischen Regierung hinunter nach München entsandt wurde. Wo sich jedoch seine Spur im Hofbräuhaus bei einer Maß Bier verlor. Was für mich als Kind durchaus verständlich war, denn wer wollte schon den ganzen Tag auf einer Wolke sitzend vor sich hin frohlocken, dabei auf der Harfe spielen, um als einzige Nahrung am Abend ein Manna zu bekommen.

Die frühkindliche Prägung war erfolgreich, das Fundament gelegt. Fernsehsendungen wie das `Königlich Bayerische Amtsgericht´, der `Monaco Franze´ und `Irgendwie und Sowieso´, Kabarettistengrößen á la Karl Valentin und Gerhardt Polt, die Bayern 3-Radiosendung `Fritz got the Hits´ sowie die Fernsehsendung `Live aus dem Schlachthof´ vervollständigten meine positive Berliner Fernsicht auf das so oft belächelte Bundesland. Wer derlei Vielfältiges und Prosperierendes hervorbringt, kann nicht gänzlich falsch liegen. Und außerdem war die alljährliche Verwandtenbesuchsfahrt nach Metten in Niederbayern immer ein Highlight, obwohl ich dort kaum jemanden verstanden habe. Besonders meinen Opa nicht, der wiederum meinem Berlinerisch nicht folgen konnte. Aber wir verstanden uns auch ohne Worte, besonders beim Kartenspielen und Dampfnudelessen.

Es sollten noch etliche Jahre und Umzüge vergehen, bis ich mich in homöopathischen Schritten von Berlin nach Nesselwang - im Allgäu -vorgearbeitet habe. Der wichtigste Zwischenstopp dabei war Salamanca, in der Spanischen Hochebene unweit von Madrid gelegen. Dort habe ich von den Spaniern gelernt, dass es durchaus in Ordnung und einträglich ist, sein Heimatland, seine Region zu lieben, stolz auf sie und verbunden mit ihr zu sein. Und genau dieser Stolz, diese Verbundenheit brannte in mir auf, als ich der Liebe folgend ins Allgäu gezogen bin. Dort fand ich eine Naturlandschaft vor, die seinesgleichen auf der Welt sucht, mich erdete und mir endlich das Gefühl einer Heimat gab. Aber nicht nur die Landschaft prägte und erdete mich, sondern auch die unaufgeregte Dorfgemeinschaft, die einen mit einer natürlichen Neugierde aufnahm.

Und so war es nur noch eine Frage der Zeit, bis ich diese gesammelten Einflüsse humorvoll in einen Roman miteinander verstricken konnte, in dem die Allgäuer Landschaft wie deren Menschen gleichermaßen im Fokus stehen. Und welches Ereignis wäre da nicht als Aufhänger passender als das Jubiläum zum 500-jährigen Bestehen des Reinheitsgebotes gewesen.

geschrieben von
Florian Herb



  • Taschenbuch: 288 Seiten
  • Verlag: Ullstein Taschenbuch (15. April 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 354828759X
  • ISBN-13: 978-3548287591



Neugierig geworden?
Dann macht doch noch schnell bei meinem Gewinnspiel mit.


Montag, 25. April 2016

[Rezension] Höh, Peter - Reise Know-How Rügen, Hiddensee, Stralsund


Durch ein attraktives Übernachtungsangebot hat es mich für ein paar Tage nach Rügen gezogen. Spontan gebucht und dann erst wieder daran erinnert, dass Rügen die größte deutsche Insel ist. Daher war ein Reiseführer von Nöten, um nichts zu verpassen und meine Tage dort sinnvoll zu planen. Dieser Reiseführer geht nicht nur auf Rügen ein, sondern auch auf die Insel Hiddensee und die Stadt Stralsund, die in unmittelbarer Nähe liegen und somit sinnvollerweise integriert wurden.



Aufbau des Reiseführers:
  • Vorwort und Verzeichnisse
  • Die Regionen im Überblick
  • Rügen (aufgeteilt in 13 Regionen)
  • Hiddensee
  • Stralsund
  • Praktische Reisetipps
  • Land und Leute
  • Anhang

Praxistest:
Die Aufteilung in Regionen ist sehr hilfreich, denn so lässt sich auf einen Blick sehen, welche Regionen in der Nähe der Unterkunft oder anderer Sehenswürdigkeiten liegen und so kann man die Nachbarschaft "abgrasen".

Je nach Region gibt es eine Karte zur Region oder zu einem bestimmten Ort. Dort sind die Sehenswürdigkeiten markiert und die jeweilige Seitenzahl wurde daneben geschrieben. Somit ist dieser Reiseführer sehr übersichtlich und leicht zu verwenden. 

Viele der Sehenswürdigkeiten sind "lediglich" Dorfkirchen, aber es gibt natürlich auch die berühmte Kreidefelsen, zahlreiche Museen oder andere tolle Ausflugstipps. Da jede Region betrachtet wird, wird auch auf alles eingegangen, was die Sehenswürdigkeiten sehr abwechslungsreich gestaltet. Es wird sich also nicht nur auf absolute Mainstream-Highlights beschränkt.

Zusätzlich gibt es zu jeder Attraktionen auch Tipps zu Unterkünften, Gastronomie oder Einkaufen

Fazit: Mir hat der Reiseführer sehr geholfen, die Tage auf Rügen zu planen. Die Aufteilung in Regionen ist sehr hilfreich und in jedem Kapitel wurde auf Highlights besonders hingewiesen. Für mich die perfekte Anschaffung, um seinen (Kurz-) Urlaub auf Rügen zu planen.


  • Taschenbuch: 312 Seiten
  • Verlag: Reise Know-How Verlag Peter Rump GmbH; Auflage: 8 (22. Februar 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3831727511
  • ISBN-13: 978-3831727513
  • Größe und/oder Gewicht: 12,1 x 1,7 x 18,8 cm


[Rezension] George, Nina - Das Traumbuch

Nina George hat die Story hinter diesem Roman auf meinem Blog verraten: Hier nachlesen!

Ein Verkehrsunfall kann das ganze Leben dramatisch verändern, aber nicht nur das eigene, wie uns "Das Traumbuch" aufzeigt. Der ehemalige Kriegsreporter Henri ist nach einem Autounfall acht Minuten lang tot, wird wiederbelebt und liegt nun im Koma.  Während er ums Überleben kämpft und zwischen Leben und Tod, Realität und Traum driftet, verändert sein Schicksal auch das Leben von Eddie und Sam. Eddie ist seine ehemalige Lebensgefährtin, die Henri schon lange als Erinnung abgetan hat, aber nun plötzlich über sein Leben entscheiden soll, und Sam ist sein Sohn, den er nie zu Geschicht bekommen hat und welcher Gefühle und Stimmungen viel intensiver wahrnimmt, als gut für ihn ist.

Der Roman wird aus drei Ich-Perspektiven erzählt und jeder Figur wurde eine Sprecher zugeordnet. Henri, der sich ins Leben zurück kämpfen muss, wird von Richard Barenberg gesprochen. Cathlen Gawlish leiht Eddie ihre Stimme und Jacob Weigert, der einzige Sprecher, den ich an der Stimme stets wiedererkenne, interpretiert Sam. Alle drei haben mir gut gefallen, aber besonders Jacob Weigert, der mich seit der Arthur-Trilogie von Gerd Ruebenstrunk immer wieder aufs Neue begeistert.

In diesem Roman geht es verstärkt um das "zwischen den Welten gefangen" sein. Zwischen Leben und Tod schwanken, aber bei keinem ganz ankommen. Nina George schreibt eindringlich nieder, wie sie sich diesen Status vorstellt. Bei ihr schwebt Henri von einem Leben in das nächste, als würde er zwischen Parallelwelten hin und her wandern. Stets verändert sich sein Leben ein bisschen, da er andere Entscheidungen getroffen hat. Dieser Part hat mich zunächst irritiert, da öfters einiges wiederholt wird und ich zwischendurch schon dachte, ich hätte vergessen die CD zu wechseln. Aber nach einer Weile machte es für mich Sinn und ich verstand, worauf die Autorin hinaus wollte. 

George hat einen sehr bildhaften Schreibstil, der mich berührt hat. Die Geschichte könnte unglaublich kitschig erscheinen, aber die Autorin schafft es trotz aller Emotionen genau dieses zu vermeiden. Es ist ihr außerdem gelungen, die Geschichte weder klinisch kalt zu beschreiben, noch extrem ins Religöse abzudriften. Diese schmale Gratwanderung ist ihr tatsächlich gelungen. 

Dadurch, dass die Handlung aus verschiedenen Sichten geschildert wird, wird der Fokus gestreut und das hat dem Roman sehr gut getan, denn auch Eddie und Sam sind sehr interessante, gut ausgearbeitet Charaktere, die den Roman stark bereichern.

Fazit: Ich glaube, so ein Buch habe ich noch nie gelesen/gehört. Es ist unglaublich bewegend, wirkt extrem ehrlich und hat mich sehr berührt. Es ist ab und an etwas bedrückend, aber dann auch wieder lebensbejahend und wunderschön. Man muss sich als Hörer jedoch öffnen und auf diese Geschichte einlassen können, dann kann man den Roman sehr genießen.

  • Audio: 7 CDs - ca 9h 51min
  • Verlag: Argon Verlag; Auflage: 1 (17. März 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3839814642
  • ISBN-13: 978-3839814642


Sonntag, 24. April 2016

[Gastrezension] Freytag, Anne - Mein bester letzter Sommer

Gastrezension von Starbucks


Hoffnungslos traurig

Ich habe etwas gebraucht, um mich mit Anne Freytags „Mein bester letzter Sommer“ anzufreunden. Ein Mädchen muss sterben und bemitleidet sich vor allem selbst. Aber dann nimmt die Geschichte an Fahrt auf, und der Leser muss genau wie die Charaktere im Buch doch die eine oder andere Träne verdrücken.



Zum Inhalt: Tessa ist unheilbar krank und wird noch im gleichen Sommer sterben. Meist liegt sie zuhause und bemitleidet sich selbst, oder sie hadert mit der Familie, vor allem mit der Mutter, die dies bereits seit langem wusste und nichts gesagt hat, sowie mit ihrer Schwester, die immer alles zu haben scheint, was Tessa nicht hat und die sie zu hassen scheint. Während ihr Vater nur seine Arbeit kennt und die Freundinnen sich von ihr abgewandt haben – so scheint es Tessa wenigstens – ist das junge Mädchen ganz allein – bis Oskar in ihr Leben tritt und eine große Liebe sich entwickelt. Gemeinsam brechen beide auf eine letzte große Reise nach Italien auf, die für Tessa nicht nur die schönste Zeit überhaupt wird, sondern auch einige Erkenntnisse und Enthüllungen bringt....

Anne Freytag hat eine sehr traurige, hoffnungslose Geschichte geschrieben. Es gibt quasi kein Kapitel, in dem Tessa nicht an ihren Tod denkt oder durch ihren schwachen Körper daran erinnert wird. Aber Oskar und sie sind auch hoffnungslos verliebt, und diese Liebe ist einfach schön und sehr authentisch beschrieben, auch, wenn sich manches wiederholt. Der Umgang der beiden Teenager miteinander, das Verständnis, das Oskar seiner kranken Freundin entgegenbringt, die Widrigkeiten und Trauer, mit der beide zu leben haben, alles das geht sehr ans Herz. Der Roman entwickelt sich langsam, aber beständig zu einem wahren Schatz, einer Geschichte, die noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Dabei ist die Handlung perfekt konstruiert, der Brief, den Tessa in der Tasche hat, den sie aber erst sehr viel später öffnet, der kurz erwähnte Aufsatz der Schwester am Anfang des Buches, all die Dinge, die wieder auftreten, wenn der Leser sie fast vergessen hat – Ich meine hier mit konstruiert durchaus nicht künstlich, sondern ganz authentisch-menschlich konstruiert.

Fazit: „Mein bester letzter Sommer“ ist ein Buch, bei dem der Leser das Ende zu kennen scheint. Dennoch liest man beständig weiter und weiter. Und es ist nicht so sehr das Ende, das zu Tränen rührt, sondern viele Stellen vorher im Buch. Man kann das Buch schließlich gut loslassen, alles passt, alles wird gesagt und geklärt. Damit ist dieser Roman ein Buch, das von Anfang an traurig ist – hoffnungslos traurig, denn für die Protagonistin gibt es keine Zukunft. Für ein sehr emotionales Buch kann ich nur die volle Sternzahl vergeben.

  • Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag (8. März 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453270126
  • ISBN-13: 978-3453270121
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
  • Verlag:


[In my Mailbox] KW # 16/2016


Hier meine Neuzugänge aus dieser Woche!

für die Klappentexte klickt bitte auf die Cover, dann gelangt ihr zu Amazon

Andeck, Mara - Wolke 7 ist auch nur Nebel

Tielmann, Christian - Mein Fußballsommer: oder wie wir Mats Muskel das Fürchten lehrten
Laure, Estelle - Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance

Babendererde, Antje - Der Kuss des Raben
Haig, Matt - Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben

Burt, Alexandra  - Remember Mia

Ilmi, Hazem - Die 33. Hochzeit der Donia Nour