Sonntag, 31. Juli 2016

[Lizzi-Woche] Gewinner



Hallo ihr Lieben,

die Themenwoche zur Lizzi-Reihe ist schon wieder vorbei. Ich hoffe, ihr hattet etwas Spaß und vielleicht könnte die Protagonistin Lizzi ja den einen oder anderen von euch neugierig machen.

Zu gewinnen gab es:
2x Lizzi Band 1+2
 mit persönlicher Widmung durch die Autorin



Ausgelost habe ich mit random.org und gewonnen haben:

*Trommelwirbel off*
Yvonne K. aus H.
Gabriele H. aus B.
*Trommelwirbel off*


Ich wünsche euch beiden genauso viel Spaß mit den Büchern, wie ich ihn hatte!




Samstag, 30. Juli 2016

[In my Mailbox] KW # 30/2016


Hier meine Neuzugänge aus dieser Woche!

Ich habe die #lovelybox von Lovelybooks gewonnen *freu*




für die Klappentexte klickt bitte auf die Cover, dann gelangt ihr zu Amazon

Johnston, Bret Anthony - Justins Heimkehr
Grisham, John - Anklage
Milchman, Jenny - Night Falls. Du kannst dich nicht verstecken: Thriller




[Lizzi-Woche] Der Mensch hinter den Büchern


Zum Abschluss der Themenwoche möchte ich euch noch den Menschen hinter den Büchern vorstellen:  
Anja Marschall im Interview
 
© Anja Marschall

Hast du Hobbies?
Bevor ich anfing zu Schreiben hatte ich Hobbies. Dazu gehörte es, Musik zu machen. Ich spiele einige Instrumente. Doch jetzt ist meine Leidenschaft auch mein Beruf. Ich schreibe mit Leib und Seele Geschichten. Wenn ich mich mal erholen will, dann bei einem guten Glas Wein vor dem Kamin. Was ich am meisten bedaure – auch schöne Medaillen haben bekanntlich zwei Seiten-, ich komme kaum noch zum Lesen. Früher habe ich viel und gerne gelesen, doch seit ich schreibe, fehlt mir nicht nur die Zeit, sondern auch die genüssliche Naivität des Unbedarften. :)
Ansonsten lese ich, wenn überhaupt Zeit ist, nur Krimis. Das dient einerseits der Entspannung und andererseits ist es die neugierige Frage, wie es denn die Kollegen machen. Aber ich denke, ich sollte mehr „richtige“ Literatur lesen. Also, leichenfrei. Hatte es mal mit Kleist und Goethe, Schiller und Hesse versucht. Hmm, aber, ich bleibe am Ball. ;-)

Wohin reist du gerne?
Ich komme aus dem Norden und merke, dass mir Gegenden mit Charakter am besten gefallen. Schottland, Irland, Norwegen. So ´was in diese Richtung. Egal wo ich bin, ich versuche mit den Leuten dort ins Gespräch zu kommen. Da die wenigsten Leute Deutsch können, ich aber passabel Englisch, doch leider kein Französisch, schränkt das meine Reiseziele ein wenig ein. Ich habe eine ganze Zeit in Großbritannien gelebt und auch in Irland. Zu beiden Ländern zieht es mich immer wieder hin.

Dein erstes Buch?
Mein erstes veröffentlichtes Buch war „Fortunas Schatten“, ein Krimi um 1900, der im Kaiserreich an der Elbe spielt. Das Buch erschien im Dryas Verlag, einem kleinen Verlag, der sich nicht scheut, auch Neulingen eine Chance zu geben, wenn sie etwas Gutes zustande gebracht haben. Es folgten zwei Brit-Crimes im Goldfinch Verlag sowie die Übersetzung und Bearbeitung eines original viktorianischen Krimis (!) von 1864: „Das Geheimnis der Lady Audley“. Dann kam der Durchbruch in die nächste Liga mit meiner Lizzi-Reihe für den Aufbau Verlag, Berlin. Dort erschien gerade Band 2 „Lizzi und die schweren Jungs“. Ein weiteres historisches Abenteuer um meinen Helden Hauke Sötje, der schon in „Fortunas Schatten“ ermittelte, wird im emons Verlag im kommenden September erscheinen. Ich werde oft gefragt, wie viele Versuche ich unternehmen musste, um mein erstes Buch zu veröffentlichen und wie viele fertige Manuskripte von mir noch in Schubladen auf die Erweckung warten. Nun ja, „Fortunas Schatten“ war mein erster Veröffentlichungsversuch und nachweislich erfolgreich. Ich schreibe seither ein bis zwei Bücher im Jahr. Da alle meine Manuskripte zu Büchern wurden, habe ich also nichts auf Vorrat und somit nur „leere Schubladen“.

Wie war dein Weg zur „richtigen“ Schriftstellerin?
Nun, man sollte schreiben und nicht nur schreiben wollen. Das ist eine offenkundige Grundvoraussetzung, die aber viele übersehen. Doch schreiben alleine reicht nicht. Bevor ich hauptberufliche Autorin wurde, war ich bereits in einem Krimiverband Mitglied. Die „Mörderischen Schwestern“ nehmen nicht nur krimischreibende Frauen auf, sondern generell auch Krimiliebende. Somit war ich auch ohne Veröffentlichung schon in den richtigen Kreisen. Ich habe zugehört, wenn die „richtigen“ Autorinnen redeten, und ich habe viel dabei gelernt. Dann habe ich einschlägige Literatur gelesen, um gewisse Anfängerfehler nicht zu machen. Naja, und dann schrieb ich und schrieb und schrieb. Danach ging ich auf Verlags- und Agentensuche. Frust hoch Drei! Alle sagten mir, dass Historisches megaout sei. „Hübsche Geschichte“, meinte ein Agent. Ob ich die nicht in die Jetztzeit legen könne. Nun, ich hatte drei Jahre für „Fortunas Schatten“ recherchiert und mir gefiel mein Buch so wie es war. Da schmeiße ich doch nicht alles weg und mache den millionsten Flatterbandkrimi draus! Meine erste Reaktion: Der Kerl ist wohl bekloppt! Aber, dieser Agent hatte nun einmal Recht. Der Markt ist nach Wanderhure und Co seit einiger Zeit übersättigt. Auch das muss ein Autor, wenn er sein Manuskript anbietet, berücksichtigen: den Markt. Dann kam mir der Zufall zu Hilfe. Ich hatte im Literaturhotel Iserlohn eine Frau getroffen, die jemanden kannte, der jemanden kennt. Naja, du weißt schon. Der Dryas Verlag war dann mein Glück. Durch die Vordertür an einen Verlag zu kommen, ist verdammt schwer, weil zeitgleich tausende auch durch diese Tür wollen. Wenn man aber erst einmal „drinnen“ ist, hat man gute Chancen, weitere Bücher zu veröffentlichen. Und so kam Buch 2, Buch 3 usw., bis ich mit „Lizzi und die schweren Jungs“ soeben mein sechstes Buch veröffentlicht habe. Buch Nr sieben kommt im September 2016.

Was gelingt dir beim Schreiben besonders gut?
Die Menschen sind meine Spezialität. Ich liebe skurrile Charaktere, die auch mal Dinge sagen dürfen, die ich nicht sagen darf. Die Charaktere sind bei mir immer zehn Zentimeter neben dem Mainstream. Zum Beispiel meine Lizzi: Ganz ehrlich, welche 70jährige trägt heute noch Kopftuch und Trenchcoat? Aber Lizzi tut es, weil sie sich dem Jugendwahn unserer Zeit widersetzt. Sie will weder übers Internet einen neuen Mann suchen, noch auf Weltreise gehen oder die Falten beim Chirurgen glätten lassen. Lizzi lebt nach dem Motto: Leben und leben lassen. Für eine Frau, die Morde aufklärt, ist das schon ein recht gewagter Anspruch. ;-)

Wo kommen die Ideen her?
Sie sind einfach da. Letztens habe ich ein Nickerchen im Garten gemacht. Da setzt sich im Halbtraum ein Mitfünfziger zu mir. Graue Haare, Zopf, attraktiv. Er stellt sich vor: „Ich heiße Håkan Larsson und ich spiele Cello.“ Das war´s. Als ich aufwachte, hatte ich meinen Protagonisten für einen Thriller samt Handlung im Kopf. Lizzi ereilte mich auf ähnliche Weise. Ich ging in Hamburg in den dritten Stock eines Wohnhauses. Vor mir eine recht rundliche ältere Dame, die trotz ihrer Fülle dermaßen energisch und behänd war, dass ich nur dachte „Respekt“. Als ich mit ihr ins Gespräch kam, stellte sich heraus, dass ich hier ein richtiges Hamburger Original vor mir hatte und ich wusste: Sie wird meine Detektivin-wider-Willen. Der Held von „Fortunas Schatten“ ist in Wahrheit Hauke Hajen aus dem Schimmelreiter von Th. Storm, nur ein wenig mehr sexy, ;-)

Was liebst du am Autorin-sein?
Das Recherchieren. Ob nun in staubigen Archiven aus vermeintlich „toter“ Geschichte ein lebendiger Roman wird oder ob ich zum Probeliegen in die Ausnüchterungszelle der Davidwache auf dem Hamburger Kiez gehe, mir macht alles Spaß. Dann liebe ich es, mir immer neue Geschichten auszudenken. Mittlerweile habe ich mindestens neun Ideen für Bücher, die ich unbedingt schreiben möchte. Dabei ist sind zwei Thriller, eine Auswanderergeschichte, ein viktorianischer Roman im Künstlermilieu um Oscar Wilde, ein Jugendbuch, ein Regiokrimi von der Küste, zwei weitere Nachfolgebände von „Fortunas Schatten“ (Band 2 erscheint im September bei Emons unter dem Titel „Tod am Nord-Ostsee-Kanal“) und ein skurriler Weihnachtsroman.
Das Schreiben liebe ich auch sehr, weil ich dann in eine andere Welt abtauche. Da nervt es mich, wenn es an der Haustür klingelt, wenn mein Magen knurrt oder wenn ich ins Bett muss. Und ich liebe Lesungen! Wenn ich spüre, dass die Leute voll mitgehen, so wie bei der Premierenlesung von „Lizzi und die schweren Jungs“ kürzlich, dann weiß ich, wofür ich ein Jahr lang hart gearbeitet habe.

Ein Tag im Leben von Anja Marschall?
Aufstehen um 6:30 Uhr, Frühstück, Kind zu Schule, dann ran an den PC. Wehe das Telefon klingelt oder jemand steht an der Tür!
13 Uhr: aufspringen, weil das Mittagessen noch nicht fertig ist und das Kind doch gleich nach Hause kommt. 15:00: Kind zum Spielen schicken und ran an den PC, Korrekturfahnen lesen. 19 Uhr: Mann küssen und fragen, wie der Tag im Büro war, in regelmäßigen Abständen verständnisvoll Nicken und in Gedanken noch einmal den Plot von heute früh durchgehen. 21:30 Uhr, alle im Bett, ran an den PC. Gegen 1 Uhr klingelt das Telefon. Nachbarin ist dran: „Nun geh aber mal ins Bett, Kindchen!“ Zehn Minuten später: Licht aus. Bis 6:30 Uhr träumen, wie der Plot weitergeht.

An welchem Buch arbeitest du derzeit?
Ich schreibe an meinem ersten Thriller. Anlass war ein sehr schwerer Unfall, den ich selber letztes Jahr hatte. Das Erlebnis, zu glauben man stirbt, prägt. Ich werde eine junge Frau Ähnliches erleben lassen, wie das, was ich erleben musste: Morphiumalbträume, Schmerzen, Ängste, Hilflosigkeit, Abhängigkeit. Und all das packe ich in eine spannende, sehr spannende Geschichte, wo ein Opfer sich am Täter rächen will. Nur endet nachher alles ganz anders, als der Leser es erwartet. ;-) Ich hoffe, ich werde das Buch in diesem Jahr fertig haben. Ob meine Agentin es an einen Verlag verkaufen wird? Ich weiß es nicht. Es ist ein sehr persönliches Buch und ich stehe zum ersten Mal vor der Situation, dass ich ein Buch ohne Vertrag schreibe. Das bietet aber auch kreative Chancen.

Was planst du noch für Lizzi?
Viel Spaß und eine Menge „Born to be wild“




Freitag, 29. Juli 2016

[Lizzi-Woche: Rezension] Marschall, Anja - Lizzi (02) Lizzi und die schweren Jungs



Kaum hat Lizzi, eine rüstige Rentnerin aus Hamburg, das letzte Abenteuer verkraftet, befindet sie sich schon mitten im Nächsten. Bei einer kulturellen Veranstaltung wird sie plötzlich von einer Motorradgang abgefangen und damit beauftragt zwei ältere Herrschaften aufzutreiben, die spurlos auf dem Hamburger Kiez verschwunden sind. Die Rocker lassen ihr keine Wahl und somit muss Lizzi nun versuchen ihren zweiten Fall aufzuklären - zur Seite stehen hier natürlich erneut Kriminalkommissar a.D. Pfeiffer und Mareike.


"Lizzis letzter Tango" war der Auftakt um die eigensinnige, aber sehr liebenswerte Rentnerin Lizzi, die eigentlich nur ihren Ruhestand in einer Seniorenwohnanlage Nahe der Elbe genießen möchte. Mit "Lizzi und die schweren Jungs" legt die aus Hamburg stammende Autorin Anja Marschall nun nach. Dieses Mal erscheint der Fall noch verzwickter, denn die Rockerbande kennt kein Pardon und auch mit der Geduld haben sie es nicht so besonders. Außerdem scheint Mareike persönlich in diesen Fall verstrickt zu sein. Wobei "Fall" dürfte man es ja eigentlich gar nicht nennen, denn Lizzi weigert sich weiterhin beharrlich eine Detektei zu eröffnen, obwohl Pfeiffer und Mareike dieses sehr begrüßen würden und Lizzi eigentlich schon längst als Detektivin agiert.

Die Autorin hat es erneut geschafft mich mit ihrer sympathischen Protagonistin zu unterhalten. Lizzi ist eigensinnig, schräg, anders - einfach großartig! Sie lässt sich nicht so schnell einschüchtern und hat sogar des Öfteren einen flotten Spruch gegen die "harten Kerle" aus der Rockergang auf den Lippen. Wahrscheinlich gerät sie gerade deshalb ab und an in gefährliche Situationen, aber zum Glück ist sie ja nicht alleine. 

Marschalls flüssiger Schreibstil, der vorhandene Humor und die kurzen Kapitel sorgen dafür, dass man durch dieses Buch fliegt. Die Figuren sind toll ausgearbeitet und authentisch, lediglich bei den Rockern hat es bei mir nicht geklappt, dass ich sie mir einzeln vorstellen und somit unterscheiden konnte. Die "Jungs" sind bei mir immer etwas durcheinander geraten.

Fazit: Eine Empfehlung für alle, die Lust auf einen humorvollen Krimi mit einer eigenwilligen und schlagfertigen Protagonistin im Rentenalter haben und natürlich für alle, die den ersten Band bereits gelesen und für gut befunden haben. Die Fortsetzung wird nicht enttäuschen!

  • Taschenbuch: 304 Seiten
  • Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 1 (17. Juni 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3746632188
  • ISBN-13: 978-3746632186
  • Verlag:


Die bisherigen Teile der Reihe in der Übersicht:



Donnerstag, 28. Juli 2016

[Lizzi-Woche: Die Story hinter dem Buch] Marschall, Anja - Lizzi und die schweren Jungs



heute:



Marschall, Anja - Lizzi und die schweren Jungs

 



Die Geschichte hinter dem neunen Lizzi-Krimi
Ein Indsiderbericht von Anja Marschall

Die Idee zu „Lizzi und die schweren Jungs“ verdanke ich einer Straßensperrung. Für einen Kreuzfahrtkrimi – den es wohl niemals geben wird – traf ich einen Cruisemanager der AIDA-Flotte in Hamburg. Als ich wieder nach Hause wollte, war da diese eine Straße gesperrt. Als waschechte Hamburger Deern hatte ich aber natürlich sofort eine Idee, wie ich dennoch nach Hause kommen könnte.

Und dieser Weg führte mich über die Hamburger Reeperbahn. Nun kennen die wenigsten Leute den Kiez bei Tag. Nachts, ja, in der Nacht, da wissen wir alle, wie die sündigste Meile der Hansestadt aussieht, wenn schon nicht persönlich, so doch wenigstens von Postkarten, Plakaten und TV-Krimis. Lichter, dröhnende Musik aus den Kaschemmen, mehr oder minder hübsche Mädels, die die Männer anbaggern, zotige Sprüche der Türsteher (die nennt man hier Koberer) und uniformierte Polizisten, die jeden Luden mit Handschlag begrüßen.

Aber am Tag? Wenn die gewissen Damen schlafen und die Angestellten die verräucherten Kneipen putzen? Ernüchternd, sage ich da nur. Die Reeperbahn bietet dann ein ganz anderes Bild. So ganz ohne Lichterreklame wirken die Häuserfronten auf der einen Seite der Reeperbahn dermaßen schäbig, dass dagegen jede Plattenbausiedlung luxuriös anmutet. Da sind aber auch Kinder, die zur Schule gehen, Hausfrauen mit Einkaufstüten, ältere Herren, die sich auf ein Schwätzchen treffen. Dieses Ambiente zeigte mir, dass auf der Reeperbahn und drum herum ganz normale Menschen wohnen. Richtige, echte Menschen. Keine Drogis, keine Prostituierten, keinen Luden, keine Touris, sondern Menschen, die essen, schlafen, lachen, einkaufen und leben. Und ich fragte mich, wie man all das an so einem vermeintlich verruchten Ort hinbekommen kann?

Ich suchte mir einen Parkplatz, den man hier tagsüber übrigens problemlos finden kann, und stieg aus. Stundenlang stromerte ich durch die Straßen, obwohl es nieselte. Ich trank in einem Stehcafe eine Tass´ Kaff´und kam mit zwei netten Frauen ins Gespräch. Und dann sah ich sie! Lizzi! Trenchcoat und Kopftuch. Energisch marschierte sie Richtung Hein-Hoyer-Straße. Ich fragte mich, was sie da wollen könnte, und so folgte ich ihr. Lizzi verschwand in einem dieser typischen Hamburger Jugendstilhäuser. An den Klingelschildern fand ich fast nur ausländisch klingende Namen, nur an zweien nicht. Die Gardinen in den Fenstern im vierten Stock waren konservativ, mit Geranien auf der Fensterbank. Irgendwo hörte ich das Piepen eines Wellensittichs durch ein offenes Fenster. Grinsend ging ich zurück zu meinem Auto. Ich hatte meine Geschichte im Kopf.

In den Tagen darauf recherchierte ich im Netz alles, was nicht typisch ist für den Kiez. Wie man dort als „Normalo“, abseits der Touristenpfade, so lebt. Dazu gab es vor Jahren mal einen Bericht im Fernsehen. Weihnachten auf dem Kiez, oder so. Ein TV-Team begleitete den bürgernahen Beamten des Reviers in der Adventszeit bei seinen Gängen durch die Straßen. Den Namen des Beamten notierte ich mir sofort. Ein Anruf in der Davidwache und schon hatte ich erfahren, dass der gute Mann noch immer im Dienst sei. Nur müsse ich erst über die Pressestelle im Polizeipräsidium Kontakt zu ihm finden. Gesagt getan. Ein paar Tage später klingelte das Telefon und der besagte Beamte war dran. Kriminalhauptkommissar Hebe.

Es war vier Uhr nachmittags, als ich die Davidwache zum ersten Mal in meinem Leben betrat. Nett, professionell, ein wenig distanziert, aber auf alle Fälle neugierig, so begrüßte man mich. „Herr Hebe kommt gleich runter.“

Da ich vier Minuten zu früh war, musste ich exakt vier Minuten warten. Nicht drei und nicht fünf. Vier. Dann kam KHK Hebe durch die Glastür. Typ netter Nachbar, würde ich sagen. Dem würde ich glatt meinen Haustürschlüssel geben, wenn ich mal in den Urlaub fahre. Dass ich vorhin aber bei Spätgelb noch über die Kreuzung gehuscht bin, erwähne ich lieber nicht. In der obersten Etage der Davidwache – Neubau, hinten rechts - gibt es einen Konferenzraum mit fantastischem Blick über den Kiez bis hinunter zum Hafen. Ich war ganz begeistert. Doch Herr Hebe holte mich von der Touri-Wolke gleich wieder runter. „Wir stehen manchmal hier oben und beobachten die da unten.“ Er wies zur Davidstraße hinunter, wo der Bezirk liegt, in dem die Damen des horizontalen Gewerbes Männer ansprechen dürfen. Natürlich findet man hier auch die weltberühmte Herbertstraße. Tatsächlich. Ein 1A Blick auf die Szene, samt Hinterhöfen und rot beleuchteter Fenster.

Was nun folgte waren vier Stunden Insiderwissen rund um menschliche Abgründe. Die Luden beobachten das Geschehen ihrer Mädchen auf der Straße mit Kameras, während sie es sich selber im ersten Stock gut gehen lassen. Die Plätze auf der Straße besetzen die Prostituierten im Rotationsverfahren. Wenn Eine einen Freier abschleppt, rücken die anderen auf ihren Platz vor und sie muss sich dann hinten anstellen, wenn sie zurückkommt. Eigentlich fair. Schockiert und fasziniert hörte ich zu, welche persönlichen Schicksale viele von den Gestalten da unten hatten. Missbrauch in der Kindheit ist Hauptursache Nr. 1, warum Menschen sich zur Prostitution zwingen lassen. Drogen spielen natürlich auch eine Rolle, aber ein Zuhälter weiß, dass eine Drogenabhängige nicht lange für ihn arbeiten kann. KHK H meinte, er könne, ebenso wie jeder der Zuhälter vom Kiez auch, in einen Raum voll ganz normaler Leuten gehen und sofort sehen, wer die psychologische Disposition habe, früher oder später – und mit den geeigneten Mitteln – zur Prostitution „motiviert“ zu werden. Mit etwas Übung sähe man den Menschen sofort an, ob man in der Kindheit ihre Seelen gebrochenen hat. KHK H spricht mit so viel Verständnis für sein Klientel, dass ich den Eindruck habe, er ist nicht nur Polizist, sondern auch Sozialarbeiter, Psychologe und Beichtvater. Dennoch: „Wichtig ist, dass manniemals Arbeit und Privatleben vermischt. Ein Beamter, der zwischen privat und beruflich nicht trennen kann, ist verloren. Ebenso derjenige, der versucht, in der Szene Eindruck zu schinden.“ Das hier, sagt er, sind zwei Paar Schuhe und man muss wissen, wann man welches Paar zu tragen hat. Während Herr Hebe erzählte und erzählte flog mein Schreiber über die Seiten des Ringbuches. Irgendwann musste ich die Reißleine ziehen. „STOP“. Mehr geht nicht. Jedenfalls nicht heute. Wir machten noch einen Rundgang durchs Gebäude. Ich konnten schnelle Blicke auf Kripobeamte werfen, die einen Einsatz vorbereiteten. Ich sah die uniformierten Beamten und bemerkte, wie verdammt jung sie alle sind. „Wer zu uns kommt, bleibt entweder für immer oder haut hier schnell wieder ab.“ Extrem, so wie das ganze Stadtviertel selber. Unten im Keller, sind die Ausnüchterungszellen. Probeliegen gefällig? Klar. Uuups, und schon war die Tür hinter mir zu und das Licht ging aus. Mieses Feeling, wirklich. Echt mieses Feeling da drinnen. Wer jetzt denkt, dass er günstig dort mal übernachten kann, dem kann ich sagen, dass die Pritsche knochenhart ist und auch kein Frühstück ans Bett serviert wird. Als ich die Davidwache verließ, begann draußen gerade das Kiezleben. Und ich hatte das Gefühl, nicht mehr nur Zuschauerin zu sein, sondern anzufangen, zu verstehen.

Die Davidwache gehört zum Kommissariat 15, dem räumlich kleinsten Revier in Deutschland. Nicht einmal ein Quadratkilometer ist das Gebiet groß, dennoch ist es wohl das berühmteste Revier der Welt, und jenes mit den meisten Menschen – am Wochenende – pro Quadratmeter. Ein enormer Druck, der da auf den Beamten lastet, denn so mancher brave Gast auf dem Kiez meint, hier gelten keine Regeln. Falsch gedacht.

Um die Arbeit der Beamten, die manchmal auch zu ihren Waffen greifen müssen, besser nachvollziehen zu können, machte ich ein Schießtraining im LKA in München. Wow, was für ein Gefühl, eine Walther PPK in der Hand zu haben. Kein schlechter Rückstoß, aber der ist nix gegen den eines Revolvers. Ob ich getroffen habe? Und wie! Ich gebe zu, dass Waffen das gewisse Etwas haben können. Gefährlich! ;-)
Doch langsam wurde es Zeit. Ich begann mit dem Schreiben. Die Zeilen flutschten nur so dahin. Wie immer, wenn ich schreibe, läuft in meinem Kopf ein Film ab, den ich nur ordnen und sortieren muss. Apropos Film: 1964 drehte Jürgen Rolands seinen Krimi „Polizeirevier Davidwache“ auf dem Kiez. Spätestens mit der TV-Serie „Großstadtrevier“ ist die Wache Ecke Reeperbahn/Davidstraße die „In-Kulisse“ für jeden Hamburg-Krimi. Und so musste ich als Autorin höllisch aufpassen, dass ich kein Remake einer dieser TV-Sendungen biete. Das klingt einfach, ist aber eine schwere Sache, denn Fantasie lebt am ehesten, wenn man sie von der Leine lässt. Sobald mir aber auffiel, dass zu viel Kiezklischee auf einer Seite auftauchte, hieß es zurückrudern, die Abzweigung finden, wo ich falsch abgebogen war, korrigieren und wieder Gas geben.

Es folgten noch viele Besuche auf dem Hamburger Kiez. Mal alleine, mal mit Kolleginnen, denen ich einen exklusiven Interviewabend mit KHK Hebe im Obergeschoß der Davidwache organisierte. Übrigens war dann die neue Leiterin der Davidwache (ja! Eine FRAU!) auch dabei. Als ich Polizeioberrätin Schröder die Hand schüttelte, dachte ich nur: Hut ab, Mädel! Den Job könnte so mancher Mann nicht machen. Respekt.

332 Seiten „Lizzi und die schweren Jungs“ waren nach sechs Monaten fertig. Der Aufbau Verlag war noch gar nicht so weit. „Jetzt schon?“ Jawoll, ging dieses Mal halt etwas schneller.:)
Jetzt ist „meine Lizzi“ fertig und im Buchhandel zu haben. Und ich? Ich bin traurig, weil ich nun so gar keinen Grund mehr habe zur Davidwache zu gehen, um im obersten Geschoss den Ausblick zu genießen und mit KHK Hebe über menschliche Abgründe und leckere Döner zu klönen.



geschrieben von
Anja Marschall

Mehr zur Autorin unter www.anja-marschall.de
oder auf Facebook bzw. auf der Verlagsseite




  • Taschenbuch: 304 Seiten
  • Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 1 (17. Juni 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3746632188
  • ISBN-13: 978-3746632186

Mittwoch, 27. Juli 2016

[Lizzi-Woche: Rezension] Marschall, Anja - Lizzi (01) Lizzis letzter Tango


Lizzi ist verwitet und so langsam reif fürs Seniorenheim. Allerdings bitte erste Klasse! Den Luxus einer hervorragenden Anlage im Hamburger Stadtteil Blankenese kann sie sich leisten, da ihr verstorbener Ehemann ihr aus einem Banküberfall eine große Summe an Bargeld hinterlassen hat. Als ihr dieses jedoch gestohlen wird und sie sich plötzlich schon unter einer Brücke hausen sieht, begibt sie sich mit Pflegerin Mareike auf Verbrecherjagd. Als dann auch noch ein Rentner in ihrer Anwesenheit erschossen wird, mischt plötzlich auch Kommissar Pfeiffer (außer Dienst) mit. Doch ist er tatsächlich hinter dem Mörder hinterher oder doch hinter der damaligen Beute?


Der Roman wird als Kriminalroman beworben. Es geht zwar um Raub, Verbrecherjagd und Mord, aber ein wirkliches Krimigefühl hat sich nicht bei mir eingestellt. Das Buch ist eher eine humorvolle Unterhaltung mit einer Krimihandlung. Allen voran Lizzi, die Heldin und Protagonistin des Romans. Sie ist eigensinnig und trägt -typisch norddeutsch- das Herz auf der Zunge. Wirklich zurückhalten kann sie sich nicht, aber warum sollte sie auch. Pflegerin Mareike ist recht harmlos, aber Kriminalkommissar Pfeiffer ist schon wieder etwas kauzig und zusammen bilden die drei ein Trio, das einen durchaus zum Schmunzeln bringen kann.

Ich habe sehr schnell in die Geschichte hineingefunden, Dank des flüssigen Schreibstils und der kurzen Kapitel fliegt man nur so durchs Buch und die drei Hauptfiguren sind absolut liebenswert. Besonders Lizzi und Pfeiffer haben ihre Eigenarten und alle drei verfolgen ihr eigenes Ziel: Lizzi will ihr Geld zurück, Pfeiffer endlich den Banküberfall von damals aufklären und Mareike, überraschend arbeitslos geworden, will Lizzi eine Detektei aufdrängen. Trotzdem ziehen alle an einem Strang, denn mittlerweile muss zusätzlich ja noch ein Mörder geschnappt werden.

Fazit: Bezaubernde Figuren, in einem tollen Setting (Hamburg) mit einer humorvollen Krimiunterhaltung, wobei für meinen Geschmack Lizzi ruhig noch eigensinniger hätte sein können. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung "Lizzi und die schweren Jungs".

  • Taschenbuch: 308 Seiten
  • Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 1 (21. September 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3746631637
  • ISBN-13: 978-3746631639
  • Verlag:



Die bisherigen Lizzi-Bücher in der Übersicht:



Dienstag, 26. Juli 2016

[Lizzi-Woche] Anja Marschall über ihre Bücher


Heute macht euch die Autorin höchstpersönlich auf ihre bisherigen Bücher neugierig:


Lizzi und die schweren Jungs (2016):
Dieses Buch brachte mir meine Heimatstadt Hamburg näher als ich dachte. Vordergründig geht es um eine Rockergang, die Lizzi beauftragt, zwei alte Leute zu finden, die spurlos verschwunden sind. Hintergründig aber geht es um Altersarmut, Einsamkeit und wie man Beides bekämpft.





Lizzis letzter Tango (2015):
Eine unkonventionelle Alte, mit Kopftuch und Trenchcoat, will sich nicht ergeben. Löwengleich kämpft sie gegen all die widrigen Umstände, die das Leben als verarmte Rentnerin zu bieten hat. Und, wenn sie dafür auf Mörderjagd gehen muss, dann tut sie es.






Tod am Nord-Ostsee-Kanal (2016):
Der zweite Fall für meinen Kapitän Hauke Sötje spielt um 1894 an der Baustelle des NOK. Ein toterIngenieur in einer der Schleusenkammern, Betrug und Verrat, eine junge Frau, die nach Höheremstrebt und ein Attentäter ohne Gewissen. Die Serie um Hauke Sötje ist für den Buchmarkt höchstungewöhnlich, denn bisher erschien jedes Buch der Serie bewusst in einem anderen Verlag. „Tod amNord-Ostsee-Kanal“ erschien im renommierten Emons Verlag. Derzeit arbeite ich an Band 3.



Fortunas Schatten (2012):
Mein Erstlingswerk! Hauke Sötjes erster Fall, den er in Glückstadt an der Elbe gegen seinen Willen lösen muss. Es geht um Spionage und einen geheimnisvollen Fremden, der Hauke Erlösung anbietet, denn Hauke verlor vor einigen Jahren beim Untergang seines Schiffes das Gedächtnis. Seither versucht er mit der Schuld zu leben, er könne am Tod seiner Männer schuld sein.



London Calling (2014):
Der zweite Band der Brit-Crime-Serie führt in den Finanzdistrikt von London, wo die durchgeknallte Luna ihren Finanzberater erschossen in seinem Appartement auffindet. Sofort gerät sie unter Verdacht und muss sich verstecken. Das aber ist in einer Stadt, die weltweit das dichteteste Kameraüberwachungsnetz besitzt nicht ganz einfach. Da müssen Luna und Kate schon mal zu ungewöhnlichen Methoden greifen.



Das Erbe von Tanston Hall (2013):
Band 1 um die verklemmte Krankenschwester Kate und die flippige Künstlerin Luna. Kate sucht ihren verschwundenen Bruder und kommt nach Cornwall, wo er zuletzt gesehen wurde. Zwischen Adelssitz und Pub, falschen Grafen und echten Mördern bieten die beiden Frauen eine halsbrecherische Verfolgungsjagd in einem echten James-Bond-Auto und finden heraus, dass die Vergangenheit manchmal schneller ist als die Zukunft.



Das Geheimnis der Lady Audley (2014) – Übersetzung/Bearbeitung:

1864 schrieb Mary Elisabeth Braddon einen viktorianischen Bestseller, den ich übersetzte und – wasnoch viel wichtiger ist – bearbeitete, also an den heutigen Lesergeschmack ein wenig anpasste. So wurden aus 600 Seiten 300 Seiten. „Lady Audleys Secret“ ist die wunderbare Geschichte einer adeligen Frau aus armen Verhältnissen, die ein Geheimnis hüten muss, um ihr Leben und das ihres Kindes zu retten. Dabei schreckt sie auch vor Mord nicht zurück. „Das Geheimnis der Lady Audley“ ist ein authentischer Blick in eine höchst interessante Zeit. Das Besondere an dem Buch ist, dass hier eine tatsächliche Zeitzeugin mit ihren Worten und ihren Sichtweisen eine Geschichte erzählt


geschrieben von
Anja Marschall