Dienstag, 11. Juli 2017

[Die Story hinter dem Buch] Anika Beer - Kiesel Sommer


heute:


Anika Beer - Kiesel Sommer

 


Die meisten Menschen, so vermute ich zumindest, kennen das Gefühl von Fernweh. Die Sehnsucht nach einem anderen, traumhaft schöneren Ort als dem grauen Alltag. Je weiter fort, desto besser.

Ich selbst bin Zeit meines Lebens gern und viel gereist. Schon in meiner Kindheit und Jugend habe ich Sommer für Sommer das europäische In- und Ausland besucht – Deutschland, Spanien, Frankreich, Dänemark. Polen, das ehemalige Jugoslawien. Italien, Griechenland, Holland, Großbritannien. Doch wer reist, dem steht der Kopf auch in der Heimat nicht still, und so ist für mich das Schreiben in gewisser Weise auch immer wieder eine Reise und zugleich eine Alltagsflucht. Ich liebe es, mich an andere Orte zu träumen, und auf keine andere Art kann ich sie so intensiv erleben wie beim Schreiben, selbst wenn ich gar nicht wirklich dort bin. Vermutlich ist das der Grund, warum mich das Schreiben mit all seinen Höhen und Tiefen niemals losgelassen hat, seit ich als Kind damit begonnen habe. Je ferner, je fremder, desto besser. Zumindest dachte ich das immer. Darum schien es mir lange Zeit nur natürlich, meine Reisen so weit wie möglich in die Fantasie hineinführen zu lassen. Ganze Welten, Wesen, Wunder zu erschaffen und sie dann noch während des Schreibens mit großen Augen zu bestaunen.

Aber je mehr man reist, desto mehr öffnet sich auch der Blick für das Kleine, das Nahe, das die Welt im Ganzen am Laufen hält. Neben den überwältigenden Landschaften meiner Fantasie war es mir schon immer sehr wichtig, glaubhafte Figuren zu schildern, sie greifbar und möglichst echt darzustellen, damit die Geschichte, in der sie sich bewegen, möglichst real durch sie erlebt werden kann. Im Lauf der Jahre wurde mir dieser Aspekt zunehmend wichtiger. Aber was, wenn die Figuren, die Helden der Geschichte, in Wahrheit selbst die Geschichte sind?

© Anika Beer
Mein neuer Roman „Kieselsommer“ hat, im Gegensatz zu all meinen bisherigen Romanen, eine sehr kleine Welt. Ein sehr kleines Personal, und eine Handlung, die sich allein aus der Emotionalität zwischen den drei Hauptfiguren entwickelt. Einen schönen Sehnsuchtsort als Rahmen, das schon, ganz ohne kann ich’s wohl doch nicht, aber zum ersten Mal greift dieser Rahmen nicht in die eigentliche Geschichte ein. Im Gegenteil schottet er die handelnden Personen recht gründlich ab von allem, was auf das Spannungsfeld einwirken könnte, das zwischen ihnen entsteht. Und so schrieb ich zum ersten Mal einen Roman, der ganz ohne äußeren Spannungsbogen auskommt, ohne finstere Wesen, die meine Helden verfolgen, ohne zerstörte, bizarr-schöne Traumwelten oder Unsterbliche, die auch nach einem spektakulären Sturz aus dem 7. Stock noch die Welt retten können. Kieselsommer ist eine Geschichte über Freundschaft, Liebe und widersprüchliche Gefühle, aber für mich persönlich auch ein Buch über Sehnsüchte. Sehnsüchte nach Orten, Menschen, Lebendigkeit. Und damit, am Ende, eben doch wieder eine Reise.

geschrieben von
Anika Beer



  • Broschiert: 320 Seiten
  • Verlag: cbj (24. Juli 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3570157733
  • ISBN-13: 978-3570157732
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 12 Jahren




Liebe Grüße,
Claudia

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen