Dienstag, 31. Oktober 2017

[Gastrezension] Janson, Brigitte - Windmühlenträume

Gastrezension von Verena

Maike Matthiesen, Hotelmanagerin in Hamburg, ist ehrgeizig, freundlich aber kühl, streng und engagiert und lebt für ihren Job. Freunde hat sie kaum und auch ihre Beziehung ist eher locker. Bloß nicht zu viel Nähe. Doch nach einem Sturz ändert sich plötzlich ihr ganzes Leben. Als Maike im Krankenhaus aufwacht, stellt sie fest, dass sie immer die Wahrheit sagen muss. Es ist ein Zwang und sie kann nichts dagegen unternehmen. So vergrault die ehrgeizige Hotelmanagerin nicht nur ihre Freunde, sondern auch den ein oder anderen Gast. Sehr zum Missfallen ihres Chefs. Der beurlaubt sie kurzerhand, damit Maike wieder „zu sich kommen kann“.

Maike macht sich daraufhin auf den Weg in ihre Heimat, die Vierlanden. Dort war sie seit Jahrzehnten nicht mehr – zu schmerzhaft die Erinnerungen. Und doch zieht es sie jetzt zurück, denn auch ihre Großmutter Wilhelmine hatte den Drang immer die Wahrheit zu sagen. Obwohl Maike sich seitdem sie nur noch die Wahrheit sagt glücklicher, freier und unbeschwerter fühlt, hofft sie in ihrer alten Heimat Antworten zu finden, die ihr den eigenen plötzlichen Lebenswandel erklären.

In den Vierlanden warten jedoch nicht nur Windmühlen, Natur und schöne Erinnerungen auf Maike, sondern auch viele Konflikte und eine alte Liebe. Unter Anderem wohnen dort noch ihr Vater und ihre Stiefmutter Rosa, mit denen sie im Streit auseinander gegangen ist und seit Jahren kein Wort mehr gewechselt hat. Maike ist noch immer voller Hass für die Zwei und geht ihnen aus dem Weg. Doch je länger sie in den Vierlanden ist und je mehr sie über die Vergangenheit erfährt, desto mehr macht Maike sich Gedanken, wie das Leben ihrer Eltern und vor allem ihrer Stiefmutter damals war.... doch kann Maike die Vergangenheit hinter sich lassen und einen Schritt auf ihre Eltern zugehen? Und wird sie sich und ihr Glück finden?

Brigitte Janson hat mit „Windmühlenträume“ einen ganz zauberhaften Roman geschrieben. Bereits bei den ersten Zeilen hatte ich Sehnsucht nach den Vierlanden und träumte mich in den Norden.
Neben Maikes Geschichte, die in der Gegenwart spielt, gibt es auch immer wieder Passagen aus der Vergangenheit. So erfährt der Leser viel über Maikes Eltern, ihre Stiefmutter, ihre Großmutter und Maikes Kindheit. So spielt auch der Prolog bereits im Jahre 1984. Er erzählt vom tragischen Tod einer Frau, der die Leben aller Beteiligten maßgeblich beeinflusst hat. Erst viel später erfährt der Leser, wer gestorben ist.

Die Autorin zeichnet in ihrer Geschichte die unterschiedlichsten Charaktere, dabei macht sie auch vor Klischees keinen Halt und es gibt die typischen „Landeier“ und „Großstädter“. Doch trotz der Klischees wirken die Personen authentisch und sympathisch und bei einem Blick hinter die Fassade wird deutlich, dass sich das schwarz-weiß auflöst und verschwimmt. Ich konnte mich sehr gut in Maike und auch Rosa hineinversetzen und habe mit den beiden mitgefiebert und -gelitten. Außerdem habe ich mich beim Lesen mit vielen Fragen auseinander gesetzt: Wie wichtig ist es mit seiner Vergangenheit im Reinen zu sein? Ist es möglich nach so vielen Jahren zu verzeihen? Gibt es eine zweite Chance? Was ist wirklich wichtig im Leben?

Die bildhafte Sprache und die vielen Beschreibungen der Örtlichkeiten zeichnen ein klares Bild von den Handlungsorten. Außerdem erklärt die Autorin Traditionen und beschreibt das Leben in den Vierlanden damals und heute. Ein paar Kleinigkeiten hat sie jedoch an den Originalschauplätzen für den Roman verändert, was sie aber im Nachwort erwähnt.

Fazit: „Windmühlenträume“ ist mehr als nur ein leichter Roman über die Geschichte einer Frau, die sich ihrer Vergangenheit stellt. Es lädt zum Träumen, zum in Erinnerungen schwelgen und zum Nachdenken ein.

  • Taschenbuch: 352 Seiten
  • Verlag: Ullstein Taschenbuch (8. September 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3548290221
  • ISBN-13: 978-3548290225


Liebe Grüße,
Claudia

Montag, 30. Oktober 2017

[Rezension] Haig, Matt - Ein Junge namens Weihnacht

Jeder kennt den Weihnachtsmann, aber wie wurde dieser überhaupt zum Weihnachtsmann? Angefangen hat es mit einem kleinen Jungen namens Nikolas, der im Norden Finnlands in großer Armut aufwächst. Sein Vater muss auf eine Expedition, also wird Nikolas zu seiner Tante gebracht, doch diese ist hartherzig und gemein. Irgendwann erträgt er es nicht mehr, nimmt reiß aus und begibt sich auf die Suche nach seinem Vater und den Wichtel, von denen er schon so vieles gehört hat. Ab da beginnt die Geschichte, wie ein Junge namens Weihnacht zum Weihnachtsmann wurde.

Die Geschichte wird ab 7 Jahren empfohlen (was ich in Anbetracht der Handlung zu früh finde), kann aber auch von Erwachsenen gehört werden, die diese Geschichte wahrscheinlich anders wahrnehmen und andere Aspekte an ihr entdecken werden. Matt Haig ist kreativ geworden, hat seine Hauptfigur in eine Welt voller Elfen, Trolle und fliegender Rentiere geworfen und in zahlreiche gefährliche Situationen gebracht. Die Idee, die Kindheit des Weihnachtsmannes aufzuschreiben, hat mir sehr gefallen und besonders, dass Nikolas trotz seiner sehr schwierigen Kindheit nie den Glauben (an die Magie) verloren hat.

Rufus Beck liest den Roman und er schafft es gekonnt jeder Figur eine eigene, sehr passende Stimme zu verleihen - sei es nun eine kleine piepsige Maus oder ein großer, dümmlicher Troll. Mir hat es nur leider etwas an Atmosphäre gefehlt. Das „Weihnachtliche“ kommt teilweise zu kurz und die Handlung ist immer mal wieder ziemlich heftig gerade für Kinder.

Fazit: Es ist eine tolle Idee, über den Werdegang des Weihnachtsmannes zu berichten, und Matt Haig ist dabei sehr kreativ und fantastisch geworden. Für die volle Sternenzahl kam mir die Atmosphäre etwas zu kurz, trotzdem freue ich mich schon auf die Fortsetzung "Das Mädchen, das Weihnachten rettete", die es bereits zu kaufen gibt.

  • Audio: 4 CDs - ca. 4h 38 min 
  • Verlag: Der Audio Verlag (14. Oktober 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 386231829X
  • ISBN-13: 978-3862318292
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 7 Jahren
    http://www.der-audio-verlag.de/


Liebe Grüße,
Claudia

Sonntag, 29. Oktober 2017

[In my Mailbox] KW # 43/2017


Hier meine Neuzugänge aus dieser Woche!

für die Klappentexte klickt bitte auf die Cover, dann gelangt ihr zu Amazon

Dieses Buch verdanke ich der lieben Nicky von Born from the Sky *knutsch*.
Schaut doch mal auf ihrem Bücherblog vorbei!


Webster, Jean - Lieber Daddy-Long-Legs




Liebe Grüße,
Claudia

Samstag, 28. Oktober 2017

[Stefanies Rezension] Freeman Gill, John - Die Fassadendiebe

Gastrezension von Stefanie

„Die Fassadendiebe“ von John Freeman Gill ist ein ganz besonderes Buch. Es ist nicht immer spannend, aber bei näherem Hinschauen sehr traurig. Es ist ein Buch, das mit Worten glänzt und zwischen den Zeilen mitteilt. Wenn der Leser hier seinen Platz im Buch gefunden hat, d.h., wenn er herausfindet, worum es eigentlich geht – neben der Tatsache, dass ein Vater und sein Sohn ganz NYC zerstören – dann ist „Die Fassadendiebe“ richtig gut. Da ich glaube, dass der Leser in diesem Buch aber selbst herausfinden soll; worum es eigentlich geht, ist es schwierig, hier nicht zuviel zu verraten und trotzdem zu erklären, was das Buch so außergewöhnlich macht.

Zum Inhalt: Griffin, 13 Jahre alt, wohnt mit Mutter und Schwester in Manhattan in einem typischen Brownstone-Haus. Die Eltern sind getrennt, der Vater kommt immer mal, aber eher selten vorbei, während die Mutter immer neue „Untermieter“ anschleppt, um die Miete zahlen zu können. Die Mutter, eine vermeintliche Künstlerin, kümmert sich wenig um die Kinder, der Vater, der sein Geld mit dem Abbau und Verkauf von Fassadenteilen verdient, bleibt eine Sehnsuchtsfigur für Griffin. Der Junge sieht sich zwischen den Stühlen, was seine Eltern angeht, und er sucht immer wieder die Nähe seines Vaters, auch, wenn das für ihn heißt, dass er sich im allzu gefährlichen New York der 70er Jahre nachts allein in der Stadt daran macht, Fassadenteile abzubauen oder abzuhauen und seinem Vater als Trophäen zu bringen. Der Vater wiederum ist von seinem Beruf oder Hobby so bessessen, dass er den Sohn sogar in äußerste Lebensgefahr bringt, wenn es um den Abbau seiner geliebten Fassadenteile geht, die doch vor dem Verfall unbedingt geretttet werden müssen.

Schon in dramatischen Szenen muss man sich als Leser fragen, wo die Vaterliebe ist, wie ein Mann das Leben seines Sohnes so aufs Spiel setzen kann Man muss sich aber gleichermaßen fragen, was es mit der Rettung New Yorks zu tun haben kann, wenn man von Gebäuden Teile abschlägt (Griffin bringt sogar einmal einen Adler mit, die Flügel sind allerdings nicht mit abgegangen...Immer mehr muss man an den lobenswerten Beweggründen des Vaters zweifeln...

„Die Fassadendiebe“ hat anfangs sicherlich Längen, die nur dem Architekturliebhaber das Herz aufgehen lassen werden. Ich habe lange gebraucht, um den Kern des Buches, nämlich die Vater-Sohn-Beziehung zu erfassen, und außer dem Showdown am Ende des Buches konnte man dann nur so über die Seiten fliegen. Letzterer war aber etwas übertrieben. Im Grunde geht es aber hier um einen vernachlässigten Jungen, der die Liebe seiner Eltern sucht und doch immer wieder in Schwierigkeiten gerät, weil scheinbar keiner merkt oder es keinen stört, dass er mit 13 Jahren sogar nachts in der Stadt allein unterwegs ist. Und schließlich tut Griffin alles, um mit seinem Vater wieder vereint zu sein..

Besonders auffallend an diesem Buch ist aber die Sprache, die mit etwas antiquierten Wörtern (z.B. plieren) sowie mit Wortneuschöpfungen spielt. So macht Gill z.B. fast alles einfach zum Adjektiv (z.B. wasserspeierisch). Hier mal eine Kostprobe der Gillschen Sprache:

„Als ich aus der Werkstatt meines Vater zurückkam und in unser Brownstone schlurfte, das auf einmal unterernährt und anfällig wirkte, war meine Mutter gerade dabei, am großen löwenprankigen Esstisch ihre Eierschalen zu sortieren. Sie war eine dunkeläugige, zigeunerinnenhafte Sorte Mutter, ein eleganter Wirbelwind aus Tüchern und Schals, klirrenden Armbändern und drei Dutzend Ringen.“ (S. 85)

Fazit: Anfangs zog sich das Buch für mich etwas, zuviel Architektonisches säumte die Seiten. Viel passierte jedenfalls nicht. Aber dann hat es mich gepackt, und ich finde, dass „Fassadendiebe“ große Literatur ist. Es wird schließlich auch noch spannend und geht ans Herz. Aufgrund der Längen am Anfang gebe ich 4,5 Sterne, aber dennoch hat mich dieses Buch letztendlich ja überzeugt und bekommt die volle Sternzahl. Beim nächsten Buch von John Freeman Gill bin ich wieder dabei!

  • Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
  • Verlag: Berlin Verlag (1. September 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3827013208
  • ISBN-13: 978-3827013200
  • Originaltitel: The Gargoyle Hunters
  • Verlagsgruppe:

Liebe Grüße,
Claudia

Freitag, 27. Oktober 2017

[Neuerscheinungen] November 2017

für den Monat

November

für die Klappentexte klickt bitte auf die Cover, dann gelangt ihr zu Amazon

Jordan, Hillary - Mudbound – Die Tränen von Mississippi
Máni, Stefán - Der Stier und das Mädchen
Lily Oliver - Träume, die ich uns stehle
Michael Kibler - Treueschwur
Angélique Mundt - Stille Wasser
 Woolf, Marag - BookLess (3) Ewiglich unvergessen
Coleman, Rowan - Beim Leben meiner Mutter
Musso, Guillaume - Das Papiermädchen
Morland, Isabel - Die Rückkehr der Wale
Rose, Karen - Dornenspiel
Reid, Iain - The Ending - Du wirst dich fürchten. Und du wirst nicht wissen, warum.
Gembri, Kira - Wovon du träumst
Hoover, Colleen - Nur noch ein einziges Mal
Zeh, Juli - Leere Herzen

Bei so viel Auswahl müsste eigentlich für jeden etwas dabei sein, oder?
Steht etwas davon auf eurer Wunschliste?


Liebe Grüße,
Claudia

Donnerstag, 26. Oktober 2017

[Rezension] Shipman, Viola - Engelsfunkeln

Kate ist in ihren 30ern und nach einer hässlichen Trennung überhaupt nicht in Weihnachtsstimmung. Das ist nicht besonders zuträglich, denn es ist ihr Job Gebäude zu dekorieren und da bald Weihnachten vor der Tür steht, muss sie sich mit riesigen Weihnachtsbäumen, Sternen und Engeln umgeben, aber ihr gelingt es dieses Mal nicht, es aus vollem Herzen zu tun. Durch einen neuen Auftrag lernt sie einen Mann kennen, dem das Schicksal noch viel härter mitgespielt hat und dessen kleiner Sohn daher ein trauriges Weihnachtsfest erleben wird - falls Kate dieses nicht verhindern kann.

Von Viola Shipman kenne ich bereits „Für immer in deinem Herzen“ und „So groß wie deine Träume“ und beide Romane haben mich damals sehr berührt und begeistert. Daher war klar, dass ich auch ihre kleine Weihnachtsgeschichte „Engelsfunkeln“ lesen würde.

Nüchtern betrachtet ist die Geschichte kurz, kitschig und vorhersehbar, aber ich kann diese Geschichte nicht nüchtern beurteilen, denn sie hat mich bewegt und ihren Weihnachtszauber versprüht. Ich mochte alle Charaktere und Shipman ist es gelungen, dass ich nun Lust auf Weihnachten und aufs Plätzchenbacken habe und am liebsten den nächsten Weihnachtsroman gleich hinterher schieben würde.

Fazit: Eine typische Weihnachtsgeschichte mit vorhersehbarem Ausgang, aber Shipman schafft es das gewünschte Weihnachtsgefühl entstehen zu lassen und genau das erhofft man sich ja von so einem Roman. Das Buch ist perfekt, um es an einem Nachmittag mit Plätzchen, Tee und unter einer Wolldecke eingekuschelt zu lesen.

  • Gebundene Ausgabe: 112 Seiten
  • Verlag: FISCHER Krüger; Auflage: 2 (26. Oktober 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3810530476
  • ISBN-13: 978-3810530479


Liebe Grüße,
Claudia

Mittwoch, 25. Oktober 2017

[Rezension] Pinnow, Judith - Die Phantasie der Schildkröte


Edith ist Mitte Vierzig und in ihrem Leben sowie in ihrem Handeln ziemlich gefangen. Sie lebt nach strengen Abläufen, schaut nie über den Tellerrand hinaus, hat kaum soziale Kontakte und verhält sich sehr zwanghaft, ähnlich dem Asberger Syndrom. Dann platzt ein zehnjähriges Mädchen in ihr Leben, breitet sich dort aus, stellt ihr Aufgaben und verändert durch diese Herausforderungen Ediths Leben.



Judith Pinnow hat sich für ihren dritten Roman eine Protagonistin ausgedacht, die per se kein Sympathieträger ist. Ich habe sie jedoch sofort gemocht und mit jeder ihrer Eigenarten hat sich dieses Gefühl verstärkt. Edith ist sehr authentisch gezeichnet. Besonders glaubwürdig empfand ich, wie sich Edith eigentlich immer wieder von dem kleinen Mädchen abkapseln will, sich dann aber irgendwie doch mitten in den von ihr gestellten Aufgaben befindet. Sie lässt sich also nicht sofort darauf ein á la ,,okay, dann bin ich eben nicht mehr zwanghaft“, sondern sie durchläuft einen (zum Teil schmerzhaften) Prozess.

Die Autorin geht sensibel mit dem Thema des zwanghaften Verhaltens um. Die Entwicklung ihrer Protagonistin, die sich so langsam aus ihrem Kokon befreit, war unglaublich interessant und einen kleinen Hauch Magie habe ich bei der Handlung verspürt, was ein nettes Extra war.

Das Buch animiert dazu Neuem gegenüber offen zu sein, denn selbst wenn man nicht so zwanghaft ist wie Edith, sollte man sein Verhalten einmal genauer beleuchten und schauen, ob sich dort nicht doch ein paar Verhaltensmuster eingeschlichen haben, die festgefahren sind.

Fazit: Ein wunderschönes Buch, das lebensbejahend ist, das eine tolle Entwicklung der Protagonistin beinhaltet und das mich regelrecht verzaubert hat.

  • Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
  • Verlag: FISCHER Krüger; Auflage: 1 (24. August 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3810530352
  • ISBN-13: 978-3810530356

Liebe Grüße,
Claudia

Dienstag, 24. Oktober 2017

[Die Story hinter dem Buch] Ulrike Renk - Die Jahre der Schwalben


heute:


Ulrike Renk - Die Jahre der Schwalben

 



„Die Jahre der Schwalben“ ist der zweite Band meiner Ostpreußentrilogie. 

Vielleicht erinnert ihr euch, dass ich im Januar zu meiner Story hinter dem Buch zu „Das Lied der Störche“ (dem ersten Band), schrieb: > Inzwischen schrieb ich an „Das Lied der Störche“ und stellte fest, dass mein Material gewachsen war, seit ich das Expose geschrieben hatte, und sich auch meine Einstellung veränderte. Es gab soooooo viel zu erzählen, denn die Geschichte der Familie ist unglaublich spannend. Wie sollte ich das in ein Buch pressen?<<

Also rief ich meine Lektorin an und schilderte ihr mein Elend. Sie fackelte nicht lange und bald stand fest – es werden zwei Bände.“ Nun werden es drei Bände. 😊 

Aber zurück zu Band zwei, der ja gerade erschienen ist. Als ich ihn schrieb, hatte ich viele Fragen. Da traf es sich, dass ich im März nach Putlitz eingeladen wurde, um dort aus den „Störchen“ zu lesen. Wieder durften wir mit unserer Knutschkugel, dem Miniwohnwagen, auf dem Grundstück der zu Putlitz in Mansfeld stehen. 

Nicht nur das – wir wurde gar köstlich bewirtet und versorgt. Das große Grundstück, auf dem ein Haus mit drei Wohnungen und ein paar Wirtschaftsgebäuden steht, war ideal für uns – eingezäunt, die meiste Fläche mit Kies belegt. Im hinteren Teil gibt es ein großes Geflügelgehege und einige Geflügelställe – aber die Zäune sind dicht und zu der Zeit hatten wir in unserem Garten auch noch ein Gehege mit Laufenten – die Hunde kannten also Geflügel und wussten – da darf man nicht dran. Theoretisch. Das Geflügel auf dem Hof gehört einem der Pächter von den zu Putlitz, die Pächter sind ein etwas wortkrages Ehepaar mit deutlicher Abneigung was Hunde angeht. Nun, das war nicht unser Problem. Unsere Gastgeber hatte die Jagdhündin seiner Tochter dabei und die drei Hunde haben sich ganz ausgezeichnet verstanden. 

Hinter dem Haus ist Brachland, Heideboden, ein kleiner See, ein Bach, der irgendwann in die Stepenitz fließt. Dort gibt es Biber, Milane, Habichte und Bussarde. Ottern und allerlei andere Wildtiere. Natürlich gibt es auch Schalen- und Rehwild. Für uns war das wunderbar – und die Hunde konnten laufen und toben. Einen großen Jagdtrieb haben sie nicht, aber schnuppern und ansatzweise hinterherlaufen, das machen sie gerne. 


Jedenfalls war es kalt und nass, aber sehr, sehr schön dort. Am ersten Morgen frühstückten wir gemütlich, dann fuhr Baron zu Putlitz mit mir durch die Gegend, zeigte mir nochmal etliche Orte und erzählte weitere Geschichten seiner Familie. Ich lauschte eifrig. Abends war die gutbesuchte Lesung und danach gingen wir noch mit einigen Leuten essen – ein sehr interessanter, langer Abend. Im Mondlicht gingen wir wieder mit den Hunden auf das Brachland, entlang des Weihers und bis zum Bach. Und dann krochen mein Mann und ich erfüllt von allerlei Genüssen und vielen Geschichten in unser Bett in der Knutschkugel. Auch die Hunde rollten sich zufrieden zusammen. Etwas eng war es, feucht und auch kalt – und dann fing es an zu regnen und der Regen ging in Schnee über … Zum Glück haben wir eine Heizung im PanTau und schnell war es warm. 

Wir schliefen selig, ich liebe es ja, wenn der Regen auf das Hubdach klopft – nur am Morgen sollte es aufgehört haben. Dies war unser erster Ausflug mit zwei Hunden und Wohnwagen, es war quasi die Bewährungsprobe. Leider hat es sich nicht bewährt. Der Wohnwagen ist zu klein für uns vier. Wenn es regnet, wird es schwierig. Wenn es schneeregnet und ein kalter Wind pfeift und wir alle vier im WW sein müssen, wird es mehr als schwierig. Das Bett lässt sich zwar mit ein paar Handgriffen in eine Sitzgruppe umwandeln – aber 3 von 4 Bewohnern müssen in der Zeit den Raum verlassen. Das haben wir gar nicht erst ausprobiert, denn soweit kam es gar nicht. 

Am nächsten Morgen waren die Hunde beide plötzlich sehr unruhig. Sie standen an der Tür, jankten. Hatten sie vielleicht im Dunkel Aas gefressen? Möglich wäre das. Am Freitag vor unserer Ankunft hatte ein Greifvogel eins der Hühner aus dem Gehege geholt und auf dem Brachland genüsslich zerlegt. Feder und andere Reste gab es reichlich. Das Foto habe ich mir und euch erspart. Ich schaute auf die Uhr, wir waren um neun mit den zu Putlitz zum Frühstück verabredet und nun war es erst kurz vor sieben. Die Hunde gaben keine Ruhe. Also stand ich seufzend auf, zog mir etwas über und öffnete die Tür des Wohnwagens. Das hatte ich am Tag zuvor auch schon getan, da das Grundstück eingezäunt ist, konnten sie nicht weg. 

Ich öffnete also die Tür, schlaftrunken, und sah davor ein dickes, weißes Huhn stehen, welches mich freudig angackerte. Das war … nun … sein letztes Gackern. Nein, meine Hunde haben keinen großen Jagdtrieb. Aber es sind Hunde. Große Hunde. Und wenn plötzlich ein Huhn vor ihnen steht, dann … nun ja, dann nimmt die Natur ihren Lauf. Ich war noch nie so schnell in meinen Schuhen und draußen, aber es war zu spät. Ich denke, das Huhn ist an Schock gestorben, denn es hatte keine Wunden. Zwei große Hunde, die mit ihm spielen wollten, das war wohl zu viel für das arme Huhn. Dieses Foto habe ich auch … ausgelassen. 

Mein Schock war auch groß, führte aber nicht zum Tod. Ich habe mich in Grund und Boden geschämt. Was sollte ich denn jetzt machen? Als erstes habe ich das Huhn in eine Mülltüte gepackt, dann bin ich mit den Hunden laufen gegangen. Lange laufen. Ich habe überlegt, dass wir einfach einpacken und klammheimlich fahren – aber das ging natürlich nicht. Ich musste mich der Situation stellen. Natürlich würden wir das Huhn bezahlen …

Es war mir so peinlich. Zum Glück haben es die zu Putlitz mit Humor genommen. Sie haben es mit den Pächtern geregelt. „Die Jahre der Schwalben“ wird allerdings für mich immer das Hühnerbuch sein und, egal was ist und wo wir sind, ich werde die Hunde nie wieder ohne Leine rauslassen, bevor ich nicht den Hühnerstatus überprüft habe. 

Ein weiteres Fazit der Reise war, dass PanTau ein traumhafter Wohnwagen ist, leider aber zu klein für zwei Erwachsene und zwei Hunde. Deshalb haben wir ihn verkauft und das nächstgrößere Model – einen Eriba Triton, genannt „Tönnchen“ gekauft. Und nun steht weiteren spannenden Reisen nichts mehr im Weg. 




Der dritte Band der Reihe wird „Die Zeit der Kraniche“ heißen. Er wird im Sommer 2018 erscheinen und ich hoffe, ich werde eine nettere Geschichte dazu erzählen können – aber irgendetwas ist ja immer.

geschrieben von
Ulrike Renk



  • Taschenbuch: 544 Seiten
  • Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 1 (9. Oktober 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3746633516
  • ISBN-13: 978-3746633510






Liebe Grüße,
Claudia

Montag, 23. Oktober 2017

[Produkttest] FUCK – Der verfluchte Ausmalkalender 2018

Viele Menschen empfinden ihren Alltag mittlerweile als stressig. Es ist somit wichtig sich eine Ausgleichsmöglichkeit zu schaffen. Bei einigen ist das vielleicht Sport, andere toben sich lieber kreativ aus. Mandalas sind in den letzten Jahren sehr beliebt geworden, aber wenn der Ärger zu groß ist, helfen diese vielleicht nicht weiter. „Fuck - Der verfluchte Ausmalkalender“ geht einen ähnlichen Weg. Das Ausmalen der vorgegebenen Motive soll helfen, um die Probleme des Alltags hinter sich zu lassen. Die Motive sind jedoch keine Blumen oder Landschaften sondern etwas „härter“.

Ich dachte zunächst, ich könnte den Kalender evtl. auf der Arbeit aufhängen. Es ist ein Wochenkalender, somit gibt es 52 Motive. Der Plan war, nach der Woche das Blatt herauszureißen und es in der folgenden Woche in der Mittagspause auszumalen. Nachdem ich mir die Motive näher angeschaut hatte, habe ich von der Idee jedoch schnell Abstand genommen. Es gibt zwar ganz witzige Motive mit „Arschnase“ und süßen Tierchen, aber solche Blätter wie „Koksnutte“, „Ihr Pisser“ und „Hurensohn“ ist dann doch eher nichts für den öffentlichen Aushang im Büro. :)

Die einzelnen Kalenderblätter bieten unterschiedliche Motive. Mal liegt der Fokus mehr auf den Wörtern, mal mehr auf den Zeichnungen. Alle Blätter besitzen, die Angabe des Monats und der Kalenderwoche. Außerdem natürlich die Daten und die Wochentage. Leider sind die Seiten nicht perforiert, so dass man diese herausreißen und dann oben abschneiden muss, ansonsten sieht es nicht besonders schön aus. Abgerundet wird eine Seite durch das täglich „Fuck-o-Meter“ zum Ankreuzen der jeweiligen Stimmungslage. Dieses finde ich eher unnötig, aber da es nur wenig Platz einnimmt, hat es mich nicht gestört.

Fazit: Es ist bereits bekannt, dass Ausmalen helfen kann, den stressigen Alltag hinter sich zulassen, da es entspannt. Mit diesem Kalender und seinen „Fuck“-Motiven kann man zusätzlich evtl. auch noch kleine, aufgestaute Aggressionen loswerden. Die meisten Blätter sind schön gestaltet und ich freue mich schon aufs Ausmalen.

  • Kalender: 56 Seiten
  • Verlag: Riva (17. Juli 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3742302191
  • ISBN-13: 978-3742302199
  • Größe: 21,3 x 29,9 cm 

Liebe Grüße,
Claudia

Sonntag, 22. Oktober 2017

[In my Mailbox] KW # 41+42/2017


Hier meine Neuzugänge aus den letzten beiden Wochen!
Tja, was soll ich sagen - es war Buchmesse :)

für die Klappentexte klickt bitte auf die Cover, dann gelangt ihr zu Amazon

Haig, Matt - Das Mädchen, das Weihnachten rettete 
Föhr, Andreas - Rachel-Eisenberg (01) Eisenberg
Schier, Petra - Kleiner Streuner - große Liebe
Haig, Matt - Ein Junge namens Weihnacht
Götz, Andreas - Hörst du den Tod?
Sigurdardóttir, Yrsa - Huldar & Freyja (02) SOG
Bergmann, Renate - Ich seh den Baum noch fallen
Wilke, Jutta - Roofer
Ahern, Cecelia - P.S. Ich liebe Dich
Ahern, Cecelia - Ich schreib dir morgen wieder
Solinger, Janna - Zoe und die Liebe
Woolf, Marah - BookLess (01) Wörter durchfluten die Zeit
Moyes, Jojo - Eine Handvoll Worte
Valentin, Mira - Der Mitreiser und die Überfliegerin
Bergsma, Elke - üttner und Hasenkrug ermitteln (17) Zornesbrut
Bomann, Corina - Winterengel
Haller, Elias - Der Augenmacher
Feuerbach, Sam - Der Totengräbersohn: Buch 2
Whitehead, Colson - Underground Railroad
Wagner, Emma - Wir. Für immer.
Shipman, Viola - Engelsfunkeln 




Liebe Grüße,
Claudia