Mittwoch, 11. Oktober 2017

[Gastrezension] Fitzgerald, Marie - Die Symphonie des Augenblicks

Gastrezension von Jennifer


Claude ist 80, blind, Pianist und wartet auf den Tod. Seine Kontakte zur Außenwelt sind seine Haushälterin, die Frau von der Gemeinde, die ihm mehrmals die Woche etwas zu essen bringt, seine zwei Neffen, die nur darauf warten, endlich das Erbe einheimsen zu können sowie der 17-jährige Corentin, der bei Claude Klavierstunden nimmt, diese aber aus tiefstem Herzen hasst.
Corentin ist hochbegabt und wird von seiner Mutter zu Klavier- und Tennisstunden genötigt, dabei möchte er doch bloß mit seinen Freunden abhängen und Fußballspielen. Doch die Erwartungen seiner Eltern an ihn sind zu hoch, also gibt er dem Druck nach und fügt sich widerwillig in sein Schicksal.

Alain ist obdachlos und verbringt seine Tage auf der Bank vor Claudes Haus. Durch einen schweren Schicksalsschlag hat er alles verloren - seine Familie, seine Karriere, sein Vermögen. Als Claude sich eines Tages auf seine Bank setzt und Alain zu einem kleinen Picknick einlädt, ahnt Alain noch nicht, dass der blinde alte Mann bereits über ihn Bescheid weiß. Dankend nimmt er die Freundschaft an, die Claude ihm anbietet und die ihm einen Funken Hoffnung schenkt.

Als die beiden eines Abends Zeuge werden, wie die hübsche Nachbarin Carole von ihrem Ehemann brutal zusammen geschlagen wird, beschließen die beiden, die junge Frau mit der Hilfe des Klavierschülers zu retten. Damit beginnt eine wunderbare Reise in den Süden, auf der alle vier erkennen, dass das Leben immer etwas zu bieten hat, egal wie schwer die Umstände sind und dass es sich immer lohnt, niemals die Hoffnung aufzugeben, denn man weiß nie, was das Schicksal noch für einen bereit hält.

Erzählt wird die Geschichte dieser vier unterschiedlichen Menschen in jedem Kapitel in der Ich-Perspektive einer anderen Person. Der Autorin ist es hier besonders gut gelungen, jeden in einer anderen sprachlichen Art und Weise erzählen zu lassen. Man erkennt Verzweiflung, Resignation, Hoffnung, Unterwerfung, aber auch jugendlichen Leichtsinn und eine gediegene Sprache. Dies macht es besonders einfach, sich in die einzelnen Protagonisten hineinzuversetzen. Jede Figur hat ihre eigenen sympathischen, aber auch seltsamen Eigenschaften. Alle vier wurden sehr liebevoll charakterisiert.

Das Buch lässt sich sehr leicht und flüssig lesen, dabei lässt die Autorin allerdings nicht an Tiefgang vermissen. An vielen Stellen habe ich innegehalten und gemerkt, wie poetisch und wahr einige Textstellen sind. Oft vergisst man, wie schön das Leben eigentlich ist, auch wenn es manchmal schwer ist. Die Symphonie des Augenblicks hat mich daran wieder erinnert.

Die Kapitel des Buches sind sehr kurz gehalten, was mir besonders gut gefällt. Man bekommt beim Lesen das Gefühl, sehr schnell voranzukommen und möchte immer weiter lesen, um herauszufinden, wie jeder der Protagonisten eine Situation sieht und empfindet.

Fazit: Ich würde "Die Symphonie des Augenblicks" bedenkenlos jedem weiterempfehlen, der eine Schwäche für leichte und hoffnungsvolle Romane hat und gebe diesem Buch 5 von 5 Punkten.

  • Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
  • Verlag: Pendo (1. September 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3866124341
  • ISBN-13: 978-3866124349
  • Originaltitel: Nos nuits deviendront des jours

Liebe Grüße,
Claudia

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