Dienstag, 5. Dezember 2017

[Die Story hinter dem Buch] Anne Jacobs - Das Gutshaus - Glanzvolle Zeiten

[Werbung] Da ich Buch-Cover mit einer Verlinkung zu Amazon einbaue (Affiliate-Link) und aus Überzeugung gerne Verlage, Autoren etc. verlinke, kennzeichne ich diesen Beitrag als Werbung. Ich möchte jedoch darauf hinweisen, dass ich für diesen Beitrag nicht bezahlt wurde und ihn aus freien Stücken veröffentliche.


heute:


Anne Jacobs - Das Gutshaus - Glanzvolle Zeiten

 



Fundstücke

Woher kommt dieses Gefühl: darüber muss ich unbedingt etwas schreiben? Diese Faszination, die ein Ort, ein Mensch, ein Thema auf uns ausüben? Es mag mehrere Gründe dafür geben, eines aber ist sicher: Es hat immer etwas mit einem selbst zu tun. Und oft sitzt es tiefer, als man ahnt.

Als ich mit Freunden durch Mecklenburg-Vorpommern reiste, sah ich wunderschöne, alte Ortschaften und Gutshäuser und ich wusste sofort: darüber will ich schreiben. Es hat eine Weile gedauert – aber seit dem 13. November liegt der erste Band der Gutshaus-Trilogie vor und ich bin sehr gespannt, wie er meinen LeserInnen gefallen wird.

Nun bin ich dabei, meine Lesungen vorzubereiten, suche Textstellen aus und – wie ich es auch mit der Tuchvilla-Trilogie gehalten habe – füge ich gern andere Texte hinzu, die mir passend erscheinen. So lese ich an den Tuchvilla-Abenden auch Auszüge aus den Kriegsbriefen meines Vater, die ich mit anderen Familienpapiere in einem umfangreichen Karton aufbewahre. Also habe ich auch diesmal ein wenig in der Vergangenheit meiner Sippe gewühlt – mit überraschendem Ergebnis.

 © Anne Jacobs

Ich stieß auf ein Bündel maschinengeschriebener Blätter, die einst mein Urgroßvater verfasst hat. Nun – ich habe schon hie und da hineingeschaut, fand die verblassten Lettern aber schwer zu entziffern, und was ich las, waren fast nur irgendwelche Verwandtschaftsverhältnisse längst verblichener Vorfahren, die mich nicht interessierten. Nun aber habe ich etwas genauer hingeschaut und tatsächlich einen Schatz gehoben.

Meine väterlichen Vorfahren stammen aus Ostpreussen. Genau gesagt aus einem Ort, der einst Fischhausen hieß, nicht weit von Königsberg. Dort ist mein Urgroßvater aufgewachsen, nicht bei den eigenen Eltern sondern im Hause des wohlhabenden Onkels, dem dort mehrere Häuser, ein Gewürzladen, Ackerland und auch eine Mühle gehörten. Dazu war er Stadtkämmerer und Commerzienrat, worauf er sehr stolz war.

 © Anne Jacobs

Daher also mein Interesse an den östlichen Gebieten, deshalb faszinierte mich schon Mecklenburg-Vorpommern. Meine Wurzeln gehen allerdings noch ein Stück weiter nach Osten – sie liegen in Ostpreußen.

Nein, ein Gutsbesitzer war der Onkel nicht. Und er war auch kein einfacher Mensch, denn er hatte die üble Angewohnheit, seine Angestellten mit der Kantschu, der russischen Peitsche, zu bearbeiten. Mein Urgroßvater, der als Knabe dort aufgenommen wurde, konnte den Alten gleich nicht leiden, er hielt sich an die Großmutter, die zu ihm sehr liebevoll war. Nett ist die Story, die gleich zu Anfang passierte, als der kleine Bursche zum ersten Mal am Tisch des Onkels saß, wo auch die Angestellten und Verwandte mitessen durften.

„Der Onkel hatte gleich am ersten Tage bei mir verspielt. Ich war – eine besondere Ehre – am Mittagstisch an seine Seite gesetzt worden. Da gab es „Schabbelbohne“, Schneidebohnen, wie wir sagen und die mochte ich nicht. Als die Tante mir davon eine Portion auftat, schüttelte ich mit dem Kopf. Da fuhr mich der Onkel an: „Was? Du willst die schönen Bohnen nicht essen?“ Und zur Tante sagte er: „Gib ihm eine große Portion. Er wird sie essen!“ Nun war ich aber schon als Knabe ein Preuße, ein Samländer, der sich nichts einreden und befehlen lässt. Ich machte kehrt, verließ den Ehrenplatz und lief in die Hinterstube zur Großmutter. So gescheit war der Alte schon, dass er mir nicht nachlief. Am nächsten Tage saß ich am anderen Ende des Tisches zwischen der Tante und meiner Cousine Friederike. Da konnte ich mich hinter der großen Terrine verstecken, so dass der Onkel nicht sehen konnte, was mir aufgelegt wurde.“

Die Geschichte muss so um 1840 herum passiert sein. Schön zu wissen, dass auch damals der Satz: „Der Teller wird leergegessen“ nicht immer befolgt wurde.

 © Anne Jacobs
Ich glaube, mein Urgroßvater wäre sehr verblüfft, seine Familienerinnerungen im Internet wieder zu finden. Aber damals, als er seine Zeilen als alter Herr tippte, war schon eine Schreibmaschine eine große technische Neuheit.

So erging es mir also, während ich die Lesungen meines neuen Romans „Das Gutshaus“ vorbereitete. Habt ihr auch schon einmal in alten Familienpapieren gewühlt? Nun – da ist man vor Überraschungen nie sicher.

Einstweilen wünsche ich meinen LeserInnen aber spannende und angeregte Lesestunden mit meinem neuen Roman.

Ganz herzliche Grüße von Anne Jacobs




  • Taschenbuch: 544 Seiten
  • Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag (13. November 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3734103274
  • ISBN-13: 978-3734103278



Liebe Grüße,
Claudia

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